Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneHorns – Für sie geht er durch die Hölle

Harry Potter wachsen Hörner, auf die er den Mörder seiner Freundin nimmt.

Diese Mischung aus Thriller, Komödie und Drama erzeugt eine enorme Faszination, wenn man sich auf den etwas abgedrehten Grundgedanken einlässt. Und obendrein zeigt Daniel Radcliffe („Harry Potter“), dass er inzwischen zu Englands besten Schauspielern gehört.

Die Geschichte

Ig muss erstmal eine rauchen (Foto: Universal Pictures)

Ig muss erstmal eine rauchen (Foto: Universal Pictures)

Ignatius „Ig“ Perrish hat angeblich seine Freundin Marrin getötet. Dabei hat er sie doch abgöttisch geliebt. Kann das also sein? Er zumindest beteuert seine Unschuld. Doch nicht einmal seine Eltern glauben ihm das. Nur sein alter Freund, der Anwalt Lee, verteidigt ihn und scheint ihn tatsächlich für unschuldig zu halten.

Eines Morgens wacht Ig auf und hat Hörner am Kopf. Doch nicht genug: Offenbar fühlen sich alle Menschen um ihn herum genötigt, ihm ihre geheimsten Gedanken und tiefsten Wünsche schonungslos aufs Brot schmieren zu müssen. Sie selbst können sich an ihre Offenbarungen nicht erinnern. Es ist vielmehr so, als hätte Ig ihre Gedanken gelesen.

Der alleingelassene Ig beschließt, die neue Fähigkeit zu nutzen, um den wahren Mörder von Marrin zu finden. Dabei erfährt er nicht nur aufschlussreiche Dinge hinter der Fassade seines Heimatortes. Er stößt auch auf die sehr unangenehme Wahrheit.

Filmkritik „Horns“

Der Grundgedanke erinnert an Sam Raimis Kleinstadt-Thriller „The Gift – die dunkle Gabe“: Eine Hauptperson mit besonderen Fähigkeiten (bei Raimi: Hellsehen) klärt einen Mord auf dem Land auf und entdeckt dabei dreckige Wahrheiten. Und wie bei Raimi gelingt das Experiment.

Glückliche Tage: Marrin ist Igs große Liebe (Foto: Universal Pictures)

Glückliche Tage: Marrin ist Igs große Liebe (Foto: Universal Pictures)

Hier ist es nun Ig, dem die absurdesten Dinge plötzlich nur so um die Hörner fliegen. Das ist hochfrivol, mitunter saukomisch und von dem Franzosen Alexandre Aja entsprechend lustvoll in Szene gesetzt. Er zeigte ja schon in seinen früheren Werken (zum Beispiel „High Tension“), dass er ein sehr gesundes Verhältnis zu Lust und Erotik pflegt. Damit macht er „Horns“ zu einer entlarvenden und bis zum Anschlag sexuell aufgeladenen Satire, die Kleinstadtmief und spießige Verlogenheit gekonnt aufs Korn nimmt.

Doch dann ist da noch der andere Teil, der den Kriminalfall erzählt. Hier sehen wir eine tragische Figur und eine unglückliche Liebe. Rückblenden enthüllen nach und nach, was sich wirklich abgespielt hat. Und das ist äußerst unschön.

Der dritte Schwerpunkt des Films ist der spirituelle Teil. Und der ist definitiv Geschmackssache. Wenn Ig sich irgendwann in eine Art flammenden Teufel verwandelt … nun ja … das kann man akzeptieren, man kann aber auch ein paar Punkte abziehen, weil es einfach ziemlich dick aufgetragen ist. Ebenso taucht die Frage auf, ob Menschen böse geboren oder erst später böse werden. Aber das ist alles halbherzig und psychologisch nicht wirklich tragfähig. Überhaupt wird es sicherlich wieder einige Nörgler (Cineasten) geben, die sich mit der Grundidee des Films einfach nicht anfreunden können. Dann sollen sie’s auch lassen und Andreas Dresen gucken.

Denn schaue ich mir das Gesamtbild an, dann sehe ich eine runde Sache voller Fantasie, Poesie, Spannung, Gewalt und Tragik, exzellent gefilmt mit tollem Soundtrack, einer schlüssig aufgebauten Geschichte und makelloser Besetzung. Vor allem Daniel Radcliffe zeigt als Ig, dass ihm seine zwischenzeitlichen Ausflüge ins Theater gutgetan haben. Er spielt mit jedem Teil seines Körpers und gehört nun eindeutig in die erste Liga.

Und jetzt verrate ich euch ein Geheimnis: Am Ende des Films habe ich hemmungslos geheult. Wenn ein einziger Film mich zum Lachen und nur kurze Zeit später zum Weinen bringen und zwischendurch verstören und sprachlos machen kann, dann ist er auch fünf Sterne wert.

Einziges Manko neben dem spirituellen Teil: Das Finale zieht sich etwas in die Länge. Ein paar Minuten weniger hätten es auch getan.

Die Versionen

Der Film läuft 120 Minuten und ist ungekürzt von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Regisseur Aja konnte sich ein paar Splatter-Einlagen wieder mal nicht verkneifen. Sind aber nur ganz wenige, was auch die Freigabe erklärt.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Spannende Mördersuche mit abgefahrener Grundidee und grandiosem Daniel Radcliffe.

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Horns – Für sie geht er durch die Hölle"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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