Filmkritik Bewertung: 3/5 SterneFollow Me

Nicht hinter jedem kniffeligen Rätsel steckt eine clevere Lösung.

60 Minuten, ein Raum, kein Entkommen! Der Trend der Escape Rooms reißt die Generation TikTok nicht mehr vom Hocker. Was kein Adrenalin hervorruft, ist uncool und nicht würdig, auf dem eigenen Social Media-Kanal präsentiert zu werden. Wie gut, dass den absurden und erschreckenden Ideen des Entertainments keine Grenzen gesetzt sind.

Die Geschichte

Einfach mal abtauchen und entspannen nach osteuropäischer Art. (Foto: Capelight Pictures)

Einfach mal abtauchen und entspannen nach osteuropäischer Art. (Foto: Capelight Pictures)

Der selbstverliebte Cole weiß, was seine Follower sehen möchten. Coole Stunts, spektakuläre Action und einzigartige Unterhaltung, den nur er zu liefern weiß. Cole hat es drauf und setzt alles daran, dass seine Popularität in der Influencer-Landschaft auf den vorderen Rängen bleibt. In seinem Videotagebuch „Escape For Life“ präsentiert er regelmäßig all das, was für Klicks und Likes sorgt. Als ihn seine Freunde mit einem ganz besonderen Trip nach Moskau überraschen wollen, ahnt Cole noch nicht, was ihn erwartet. Doch die Ankunft in Russland birgt schon bald erste Ungereimtheiten.

Trotz der Zwischenfälle lassen sich Cole und seine Freunde in einen ganz besonderen Escape Room sperren, der nach den individuellen Eigenschaften seiner Spieler konzipiert wurde. Während die Folterapparaturen und Geschicklichkeitsspiele viel Nervenstärke von den Teilnehmern verlangen, scheint das Ende des Spieles erst der Anfang zu sein. Statt einer jubelnden Menge erwartet sie ein russischer Killertrupp, der die Kids auf ihre ganz eigene Art und Weise im Online-Stream in Szene setzt.

Filmkritik „Follow Me“

„Der Schlüssel zu meinem Herzen“ in moderner Interpretation. (Foto: Capelight Pictures)

„Der Schlüssel zu meinem Herzen“ in moderner Interpretation. (Foto: Capelight Pictures)

In Osteuropa ist alles anders. Während in „Severance – Ein blutiger Betriebsausflug“ die Teambuildingmaßnahmen in den osteuropäischen Wäldern aus dem Ruder laufen, werden im 2005er-Splatter „Hostel“ die Übernachtungsgäste mit Sonderbehandlungen versehen. Selbst die historischen Stätten in „Chernobyl Diaries“ müssen sich dem wahren Horror beugen und sorgen für blutrote Ausflugsziele. Die Vorstellung der benachbarten EU-Länder, wie sie das Horror-Genre ausmalt, wäre definitiv kein Must-See im trendigen Reiseführer.

Regisseur und Drehbuchautor Will Wernick ignoriert jedoch das abgegriffene Klischee von Russland, Bulgarien und Co. und verfrachtet seine charakterlosen und selbstverliebten Figuren in bekannte Szenarien. Dass den Amerikanern böse mitgespielt wird, zeigt sich schnell und setzt die Eckpfosten für die bevorstehenden Ereignisse.

Das Brainstorming für die neue Social Media-Strategie verlief anders als geplant. (Foto: Capelight Pictures)

Das Brainstorming für die neue Social Media-Strategie verlief anders als geplant. (Foto: Capelight Pictures)

„Follow Me“ ist im Kern keine große Überraschung. Die junge Truppe, in dessen Mittelpunkt Social Media-Star Cole steht, wird zum Opfer ihrer eigenen Sensationsgeilheit und findet sich in einem Alptraum aus Blut, Überlebenskampf und Folter wieder. Der Zuschauer wird bei Laune gehalten und bekommt einige deftige Bluthappen serviert. Echte Spannung bleibt jedoch aus. Ein Grund ist, dass die harten Szenen in der zweiten Hälfte des Filmes oft wie ein Best-Of der schmerzhaftesten Tötungsmethoden wirken. Wem man wirklich beim Sterben zusieht, ist dem Drehbuch und der Figurenentwicklung egal. Dass die Figuren in Horrorstreifen oft nur Mittel zum Zweck sind, ist sicherlich kein Verbrechen. Es bringt jedoch mehr Empathie und Emotionen mit sich, wenn der Zuschauer eine Ahnung hat, wem eigentlich gerade die Zunge herausgerissen wird.

Welche Richtung der bedingt spannende Film im Laufe der Geschichte einschlägt, sollte selbst erlebt werden. Tatsache ist, dass eingefleischte Genreliebhaber den Wink mit dem Zaunpfahl bereits weit im Vorfeld sehen werden. Im Stil des Hauptdarstellers Cole wird in diesem Fall falsche Zurückhaltung ausgespart. Der Überraschungseffekt sorgt noch einmal für etwas Tempo auf und steuert unweigerlich in das blutige Finale, in dem die Moralkeule unnötigerweise mit voller Härte zuschlägt.

Selfie-Time In Da Club. (Foto: Capelight Pictures)

Selfie-Time In Da Club. (Foto: Capelight Pictures)

Was „Follow Me“ positiv angerechnet werden muss, ist die Wahl realistischer und bekannter Rätsel, die im „Escape Room“ aus 2019 deutlich aus dem Ruder liefen. Wo sich fantasievolle Räume und ganze Landschaften auftauten, bleibt Will Wernick in seinem verdreckten Lagerhaus bei tatsächlichen Knobelaufgaben, die dem Zuschauer sogar noch etwas Gehirnschmalz abfordern.

Die Versionen

Der Film wird in ungekürzter Version veröffentlicht und ist mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren freigegeben. Eine gerechtfertigte Einstufung, bei der blutige Foltersequenzen und Bilder, die im Kopf entstehen, sich die Waage halten.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Die Tür verschließt sich auf ewig für den Escape Room 2.0.! Altbekannte Handlung, in der die Lösung des großen Ganzen am Ende nur den egozentrischen Protagonisten Cole überrascht.

Bewertung: 3/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Follow Me"

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Über den Autor Cotton Weary

Als Kind der 90er Jahre wuchs Cotton Weary mit der gerade startenden Teenie-Horrorwelle auf. „Scream“ legte nicht nur den Grundstein für die Freude an Horrorfilmen, sondern war auch der Stein des Anstoßes, um Kino lieben zu lernen.
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