Filmkritik Bewertung: 3/5 SterneDer letzte Exorzismus

Horrorfilm im Doku-Stil – aber viel besser als auf RTL2. Ein Beitrag zum Fantasy Filmfest 2010.

Ein Prediger glaubt nicht mehr an Gott und vorgetäuschten Exorzismus. Jetzt will er noch ein letztes Mal ran, um den Schwindel zu entlarven. Das hat Folgen.

Die Geschichte

Nell (Ashley Bell) hat’s im Kreuz (Foto: Studiocanal)

Cotton Marcus ist Prediger und Pfarrer aus Baton Rouge. Ein gottesfürchtiger Mann, der bereits zahlreiche Besessene vom Teufel befreit hat. So könnte man meinen.

Doch er glaubt nicht mehr an Gott. Die Exorzismen hatte er nur vorgetäuscht und mit technischem Schnickschnack verfeinert. Jetzt will er dem Betrug ein Ende setzen. Er heuert ein Kamerateam an, das den ganzen Schwindel filmen soll. Der Hilferuf von einem Landei mitten in Louisiana kommt ihm dafür gerade recht. Die Kamera umgeschnallt, und los geht’s. Vor Ort erklärt ihm der Farmer Louis Sweetzer, dass seine Tochter Nell vom Teufel besessen sei. Sie schlitze nachts die Tiere auf, meint er.

Marcus kümmert sich auf seine Art darum. Er täuscht nach bewährtem Rezept einen Exorzismus vor. Nur geht das leider schief. Nell geistert noch immer nachts durch die Flure, verrenkt ihren Kopf sehr ungesund und kann sich morgens an nichts erinnern. Dann stellt Marcus fest, dass Nell schwanger ist. Vom Teufel persönlich, behauptet ihr Vater.

So richtig unheimlich wird es, als Nell ein Bild zeichnet. Dort sehen Marcus und sein Reporterteam ihren eigenen Tod.

Filmkritik „Der letzte Exorzismus“

Priester Marcus versucht scheinbar alles, um Nell vom Teufel zu befreien (Foto: Studiocanal)

„The Blair Witch Project“ und „Stromberg“ lassen grüßen. Der von Horror-Spezi Eli Roth („Hostel“) mitproduzierte Grusler kommt als Dokumentation daher. Per Handkamera gefilmte grobkörnige Bilder, unsicher in die Kamera blinzelnde Darsteller, Interviews, schlecht ausgeleuchtete Szenerien. Die Kamera zeigt, was die Protagonisten sehen. Das ist sehr hinterlistig, und genau das macht den Reiz dieser Grusel-Revue aus. Es ist Horror, ganz aus dem Leben gegriffen.

Wer sich durch die arg geschwätzige erste halbe Stunde gequält hat, findet sich plötzlich in einem Alptraum wieder. Die eben noch so lebenslustige Nell (großartig: Ashley Bell) watschelt eine Szene später mit leerem Blick und wirrem Haar durchs Haus, sodass es uns friert. Ausgeweidete Pferde liegen herum. Und Nells Bruder Caleb (Caleb Landry Jones) bedroht Marcus mit einer Seelenruhe, die einfach nicht gestellt sein kann. Überhaupt spielt die gesamte Besetzung großartig auf. Hübscher Insider-Gag: Die meisten Filmfiguren tragen dieselben Vornamen wie ihre Darsteller.

Und doch ist alles gestellt. Denn am Ende ist „Der letzte Exorzismus“ doch recht offensichtlich nur ein Film. Das ist einer der wenigen Nachteile gegenüber dem „Blair Witch Project“: Die ganze Materie ist von der Wirklichkeit einen Schritt zu weit entfernt. So betrachtet es der Zuschauer trotz allen Doku-Stils immer noch als „nur einen Film“. Das war beim „Project“ anders.

Übrigens war es offenbar doch nicht der letzte Exorzismus, denn inzwischen gibt es die Fortsetzung „Der letzte Exorzismus 2 – Das nächste Kapitel“.

Die Versionen

Die FSK hat den Film eigentlich mit einer Freigabe ab 16 Jahren uncut durchgewunken. Das passt. Warum auf dem Cover ein Logo „ab 18 Jahren“ prangt, wissen wir nicht.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Bedrückende Horror-Doku. Clever und originell aber für echte Alpträume eine Spur zu weit weg.

Bewertung: 3/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Der letzte Exorzismus"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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