Filmkritik Bewertung: 2/5 SterneBaba Yaga

Trend verpasst: Schick im Strick ist längst aus der Mode.

In einer russischen Wohnhaussiedlung nahe einem Wald verschwinden Kinder spurlos. Drei ungleiche Teenies gehen den unerklärlichen Ereignissen auf den Grund. Sie stehen einer uralten Legende gegenüber, die sich an ihrer modernen Interpretation verhebt.

Die Geschichte

Handwerkliche Arbeiten im Haushalt fördern den familiären Zusammenhalt. (Foto: Capelight Pictures)

Handwerkliche Arbeiten im Haushalt fördern den familiären Zusammenhalt. (Foto: Capelight Pictures)

Das Teenagerleben ist ätzend! Als würde das nervige Aufeinandertreffen mit den halbstarken Schulhof-Rowdies nicht schon Stress genug sein, muss sich der junge Egor zusätzlich mit seiner neuen Stiefmutter und dem liebesblinden Vater herumschlagen. Der ganze Fokus der Patchwork-Familie, die erst in die hübsche Wohnsiedlung gezogen ist, liegt auf dem neugeborenen Baby, welches bald zum Opfer einer dunklen Macht wird. Ungewöhnliche Geräusche und grauenhafte Kreaturen schleichen um das Babybett und sorgen für Terror zwischen Plüschtieren und Wickelkommode. Dass das neue Kindermädchen in Verbindung mit den mysteriösen Ereignissen steht, wollen Egors Eltern nicht glauben. Doch so schnell wie sie auftauchte, so schnell verschwindet die Babysitterin auch wieder – inklusive Kind.

Während Egor den Vorfällen auf den Grund gehen will, scheinen seine Eltern den Nachwuchs bereits vergessen zu haben. Bilder verschwinden, Erinnerungen verblassen und die Spuren der kleinen Tochter lösen sich in Luft auf. Zusammen mit seiner neuen Freundin Dasha und dem Möchtegernschläger Anton folgt Egor einer Fährte, die ihn zu einem verlassenen Ort im Wald führt. Schon bald nimmt sie der Fluch einer uralten Legende gefangen, der zur blutigen Realität wird: Baba Yaga ist zurückgekehrt!

Filmkritik „Baba Yaga“

Der rote Faden für das Drehbuch versteckt sich unterm Babybett. (Foto: Capelight Pictures)

Der rote Faden für das Drehbuch versteckt sich unterm Babybett. (Foto: Capelight Pictures)

Kinder, die sich ihren Ängsten stellen und sich von den Traumata ihrer Vergangenheit lösen wollen, präsentierten im vergangenen Kinojahr „ES: Kapitel 2“ und „Scary Stories To Tell In The Dark“ bereits mehr oder weniger effektvoll. Nun nimmt sich der russische Regisseur Svyatoslas Podgaevskiy dem Thema an und setzt auf die Zugkraft seiner Titelfigur. Im Hinblick auf die alte Legende, die für zahlreiches Kinderverschwinden sorgt und der modernen Welt den Kampf ansagt, kein schlechter Ausgangspunkt. Doch das Überschreiten der Grenzen wird zur Stolperfalle.

Das Drehbuch verzettelt sich schon nach wenigen Minuten, obwohl mit der Einführung in die Mythologie das Grundverständnis für den Film logisch platziert wird. Die hohe Zahl an Schreckmomenten im ersten Viertel des Filmes lassen zudem die positive Hoffnung keimen, dass der Zuschauer bis zum Ende mit gleicher Taktung bei Laune gehalten wird. Doch mit dem Erscheinen des ungewöhnlichen Kindermädchens zerfällt die Handlung wie ein staubtrockenes Lebkuchenhaus.

Psst ... selbst dem Nachwuchs war das Tragen von Strickware nicht geheuer. (Foto: Capelight Pictures)

Psst … selbst dem Nachwuchs war das Tragen von Strickware nicht geheuer. (Foto: Capelight Pictures)

Was ihre Aufgabe ist, erklärt sich nur bedingt und scheint auch die Autoren nicht zu interessieren. Ohne Erklärung wickelt sie den Vater um ihren Finger, verschwindet mit dem Baby und lässt Familie wie Zuschauer fraglos zurück. Als Motor für Egors folgende Suche mag das funktionieren, aber schlüssig erscheint es im Nachgang keinesfalls. Die magere Struktur der Handlung, die damit ihren Lauf nimmt, bleibt das größte Manko des Filmes. Über die dreiste Kopie der „Shining“-Einlage schweigt man lieber gänzlich.

Fehlende Übergänge und Erklärungen, was die Kinder wirklich verfolgt und wieso, machen es unmöglich, echten Horror zu erzeugen. Andeutungen und gute Soundeffekte wollten auf die Fantasie des Zuschauers abzielen und das Grauen im Kopf entstehen lassen. Dazu benötigt es jedoch eine stringente Geschichte, die „Baba Yaga“ leider für sich behält. Von der außergewöhnlichen Gestalt, die sich in roter Wolle hüllt, sieht der Zuschauer kaum etwas.

Stricken ist komplizierter als gedacht. (Foto: Capelight Pictures)

Stricken ist komplizierter als gedacht. (Foto: Capelight Pictures)

Die Chance, mit dem Thema des Vergessens zu spielen, verpassen die kreativen Köpfe ebenfalls. Das Ziel des Autoren-Trios Natalya Dubovaya, Svyatoslas Podgaevskiy und Ivan Kapitonov lag allem Anschein nach, viele unterschwellige Infos in die Geschichte zu packen und Interpretationsspielraum zu lassen. Für eine effektive Wirkung wäre etwas offensichtliche Substanz hilfreich gewesen. Einzig die hingeworfene Schlussszene lässt keinen Platz für falsche Vermutungen: Die Absicht hinter der plumpen Ansage des neunmalklugen Kindes ist frei von Fehldeutungen.

Die Versionen

Der Film wird in ungekürzter Version veröffentlicht und ist mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren freigegeben. Schreckmomente und gutes Sounddesign sorgen für einen erhöhten Puls, aber die Altersfreigabe ist bei diesem dunklen Fantasystreifen nicht gerechtfertigt. Eine FSK 12 hätte es an dieser Stelle auch getan. Genre-Kollegen wie „Unknown User“ haben mit ihrer Freigabe ab 12 Jahren im Gegensatz dazu deutlich blutiger zugeschlagen.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Müder Budenzauber, der verpufft: Die alte Legende der Hexe stolpert beim Sprung in die Moderne und verfängt sich am Ende in den selbst gesponnenen Ambitionen.

Bewertung: 2/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Baba Yaga"

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Über den Autor Cotton Weary

Als Kind der 90er Jahre wuchs Cotton Weary mit der gerade startenden Teenie-Horrorwelle auf. „Scream“ legte nicht nur den Grundstein für die Freude an Horrorfilmen, sondern war auch der Stein des Anstoßes, um Kino lieben zu lernen.
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