Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneManson Girl

Faszinierende Satire auf die verlogene Moral Amerikas.

Dieses böse kleine Stückchen heißt im Original – Leslie, my name is evil – etwa: „Leslie, ich bin das Böse“. Es spitzt zwei Weltanschauungen in den USA der späten 60er bis ins Extreme zu und lässt sie direkt aufeinander los.

Die Geschichte

Manson Girls bei der Arbeit (Foto: Splendid Film)

Manson Girls bei der Arbeit (Foto: Splendid Film)

Zwei Welten, zwei Lebensläufe.

1. Perry ist ein bibeltreuer Softie. Obwohl sein Vater ständig patriotische Reden schwingt, hält er nichts vom Krieg und will stattdessen Chemiker werden. Seine Verlobte will erst mit ihm schlafen, wenn er verheiratet ist. Alles sittsam, alles sauber.

Eines Tags flattert ihm ein Bescheid ins Haus. Er soll in der Jury sitzen, die über drei Mitglieder der berüchtigten Manson Family richtet, drei Manson Girls.

2. Leslies Eltern lassen sich scheiden, sie selbst wird schwanger. Ihre Mutter drängt sie zur Abtreibung. Eines Tags trifft sie den charismatischen Charles Manson. Der spielt Gitarre, verteilt fröhlich Drogen und wettert gegen das Establishment. „Leslie, ich bin das Böse“, stellt er sich ihr vor. Freier Sex, Gewalt und immer was für den schnellen Rausch dabei – Leslie ist in ihrer echten Familie angekommen.

Papa und Perry sind ziemlich amerikanisch (Foto: Splendid Film)

Papa und Perry sind ziemlich amerikanisch (Foto: Splendid Film)

Nachdem die Manson Girls unter anderem eine Schauspielerin umbringen, werden sie geschnappt und landen im Bau. Eine Jury soll entscheiden, ob sie sterben sollen. Und in dieser Jury sitzt Perry.

Der fühlt sich aber zur heißen Leslie und ihrem Lebenswandel hingezogen und will sie vor dem Tod retten. Sein Weltbild beginnt zu kippen.

Filmkritik „Manson Girl“

Regisseur und Autor Reginald Harkema teilt in alle Richtungen kräftig aus: Kriegstreiber, Rassisten, Spießer, Christen, Patrioten bekommen hier einen eingeschenkt.

In ein paar Punkten hält er sich an die wahre Geschichte von Chuck Manson, etwa die in die Stirn geritzten Kreuze, die Kommune, die Drogen. Anderswo weicht er ab. So war Mansons Kommune in Wirklichkeit größer, und er selbst hatte sich ein Hakenkreuz in die Stirn geschnitten. Überhaupt kommt Mansons Rassismus kaum vor.

Leslies Mama will nicht, dass Leslie Mama wird (Foto: Splendid Film)

Leslies Mama will nicht, dass Leslie Mama wird (Foto: Splendid Film)

Harkema vermeidet übermäßig gewalttätige Szenen, auch der Sex ist eher amerikanisch zurückhaltend. An anderen Stellen bemerkt man Mängel, die wahrscheinlich dem schmalen Budget geschuldet sind.

Stattdessen punktet sein Film mit clever eingefügten historischen Dokumentaraufnahmen und tollen Schauspielern, die ihre bis zur Schmerzgrenze überzogenen Figuren punktgenau verkörpern. Vor allem die Darstellerinnen der Manson Girls durften sich nach Herzenslust austoben.

„Manson Girl“ ist ein bemerkenswerter Film über Amerikas Geschichte mit einer der niederträchtigsten Schlusspointen, die wir seit langem gesehen haben.

Die Versionen

Splendid hat „Manson Girl“ uncut veröffentlich. Diese Fassung läuft 85 Minuten und ist von der FSK ab 18 Jahren freigegeben.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Frontalangriff auf Amerikas heile Welt, bösartig, zynisch, clever, gut.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Manson Girl"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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