Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneChillerama

Zwischen Irrsinn und Kult: Haarsträubende Hommage an die Horror-B-Movies.

Das Ende einer Ära. Die letzte Vorstellung im Autokino vor dessen Schließung beschert uns irrwitzige Filme und eine Zombie-Epidemie.

Die Geschichte

Das ist nicht Bruce, das ist Moster-Sperm (Foto: Sunfilm)

Das ist nicht Bruce, das ist Moster-Sperm (Foto: Sunfilm)

Mit Ausnahme gewisser Fleischprodukte hat ja bekanntlich alles ein Ende. Die feierliche letzte Vorstellung des Autokinos kurz vor dessen Schließung lockt nochmals Massen motorisierter Cineasten vor die Leinwand. Der Besitzer lässt sich nicht lumpen und zeigt nochmals die schauerlichsten Produktionen aus seinen Beständen.

In jenen Filmen, die wir vollumfänglich zu sehen bekommen, zittert die Welt vor menschenfressenden Riesenspermien, Werbären und vor Adolf Hitler, der als Frankenstein sein Monster erschafft.

Noch im Prolog dieses völlig durchgeknallten Pandämoniums müssen wir miterleben, wie ein Kino-Mitarbeiter auf die ziemlich hirnrissige Idee kommt, auf dem Friedhof seine längst verblichene Frau auszubuddeln, um sich von ihr einen blasen zu lassen. Zu dumm, dass sie ein Zombie geworden ist und ihm sein Gehänge abbeißt. So kehrt er ins Autokino zurück und verwandelt sich langsam selbst in einen Zombie. Dann löst er eine Zombie-Welle auf dem Gelände aus, während die oben beschriebenen Filmkunstwerke laufen.

Filmkritik „Chillerama“

Live-Action im Autokino (Foto: Sunfilm)

Live-Action im Autokino (Foto: Sunfilm)

Erste Reaktion: Wir flehen um Gnade, winseln regelrecht, der Krug möge doch rasch an uns vorüberziehen. Mit Hilfe leerer PET-Flaschen hauen wir uns gegenseitig auf die Köpfe und geben dabei unartikulierte Laute von uns.

Dann der zweite Durchlauf: Wir lachen Tränen.

In den knapp zwei Stunden, die dieser Film dauert, haben die fünf beteiligten Regisseure alle Register gezogen, um die guten alten Horror-B-Pictures, die in den 30er bis 80er Jahren die Leinwände unsicher gemacht haben, gepflegt durch den Kakao zu ziehen. Dabei machen sie vor keinem Tabu Halt.

Guten Geschmack sollte niemand erwarten. Den gibt es nicht und Fäkalienscherze und Sexismen werden sogar betont übertrieben. Ebenso übertrieben ist die teilweise grottenschlechte Tricktechnik und die insgesamt stümperhaft wirkende Machart. Wir erkennen dies rasch als Teil der Parodie und halten uns auch bei den gesanglich desaströsen Musical-Einlagen die Bäuche.

Lediglich bei dem Part „Das Tagebuch der Anne Frankenstein“ gehen die Macher mit den geschmacklosen Späßen ein Stück zu weit. Auch wenn diese Hitler-Veralberung brüllend komisch ist, haben die Opfer des Dritten Reiches in solch einer Kalauer-Orgie nichts zu suchen. Sorry, aber das kostet Punkte.

Dieser fulminante Schwachsinn ist definitiv nicht jedermanns Sache, und vermutlich wird er noch so manche Gemüter erhitzen. Wir Kritiker stehen ab einem gewissen Punkt vor dem Dilemma, dass der persönliche Geschmack entscheidet. In diesem Fall weisen die Daumen deutlich nach oben, mit Ausnahme der bereits erwähnten Abzüge.

Die Versionen

„Chillerama“ erscheint in Deutschland ungekürzt auf DVD und Blu-ray und ist ab 16 Jahren freigegeben.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Noch nie war Synapsenfasching im Oberstübchen so lustig.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Chillerama"

Über den Autor Angus Sc.

Seine Affinität zu Horrorfilmen hatte er bereits in früher Jugend entdeckt. Daraus resultiert seine Vorliebe für Horrorklassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern.
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