Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneWir sind was wir sind

Horror-Drama über eine Menschenfresser-Familie in Mexico-City.

„Somos lo que hay“ ist spanisch und heißt „Wir sind was wir sind“. Das Debüt von Jorge Michel Grau lief zum ersten Mal 2010 in Cannes und beim Fantasy Filmfest. Es erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschenfleisch zum Überleben braucht.

Die Geschichte

Alfredo und Julián auf dem Weg nach Hause (Foto: Alamode Film)

Alfredo und Julián auf dem Weg nach Hause (Foto: Alamode Film)

Ein älterer Mann betrachtet ein letztes Mal die Schaufenster im Einkaufszentrum. Dann stürzt er, spuckt Blut und ist tot. Wenig später liegt er schon auf dem Obduktionstisch der Polizei. In seinem Magen ein abgebissener Frauenfinger. Zwei Männer der Sondereinheit bekommen den Auftrag, die Kannibalen zu finden.

Alfredo und Julián ahnen noch nichts. Sie haben einen kleinen Stand auf dem Markt und verkaufen reparierte Uhren. Als einer der Brüder anfängt, sich mit einem Kunden zu prügeln, werden sie vom Platz verwiesen.

Zuhause erfahren sie vom Tod des Vaters. Mutter und Tochter sind verzweifelt. Zorn und Wut machen sich breit. Wer wird jetzt die Familie ernähren? Wie wird es weiter gehen? Alfredo, der Älteste der drei Geschwister, bekommt Angst zu versagen. Denn er soll jetzt für alles verantwortlich sein. Ganz oben auf der Liste steht Frischfleisch.

Filmkritik „Wir sind was wir sind“

Autsch, das hat sicher weh getan (Foto: Alamode Film)

Autsch, das hat sicher weh getan (Foto: Alamode Film)

Fleisch ist Grundnahrungsmittel. Das geheime Ritual der Menschenfresser wird allerdings nicht verraten. Zwar klären sich im Laufe des Films einige andere Fragen, doch diese ganz bestimmte bleibt bis zum Schluss offen. Schade, denn wir hätten es gerne gewusst.

Wie der angenagte Finger im Magen, ist „Wir sind was wir sind“ keine leichte Kost. Regisseur Jorge Michel Grau hat ein beachtliches Erstlingswerk geschaffen und viele Details eingebaut. Heraus gekommen ist eine Story mit Überraschungen, direkter Gesellschaftskritik, einer Portion Action und einem markerschütternden Soundtrack.

Das alles lässt den Film optisch und inhaltlich punkten. Allerdings in eine andere Richtung als vermutet, denn ein typischer Horrorfilm ist er damit nicht geworden. Vielmehr dreht sich alles um die Sorgen und Probleme einer Kannibalen-Familie. Auf richtige Ekel-Szenen wird weitgehend verzichtet. Auch Splatter-Einstellungen fehlen. Der Horror kommt mit dem gezeigten Lebensumfeld zum Ausdruck. Die vier Familienmitglieder leben in einer grausam kalten Welt. Kein Geld, keine Skrupel, keine Zukunft – in Mexico-City ist sich jeder selbst der Nächste. Die einzige Konstante – Vater und Ernährer – gibt es nun nicht mehr. Ein Kampf ums Überleben beginnt. Und das wird auf dramatische Art und Weise gezeigt.

Die Versionen

Das mexikanische Horror-Drama hat laut FSK eine „beachtliche Auswirkung auf Jugendliche“ und erhält damit das FSK-18-Siegel.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Empfehlenswert für Horrorfans die gerne etwas anderes ausprobieren wollen.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Wir sind was wir sind"

Über den Autor Ash Williams

Vor Jahren hat er sich noch vor Horrorfilmen gegruselt. Naja, vielleicht so ein bisschen. Jetzt schaut er sie jedenfalls mit ganz anderen Augen. Je länger er sich mit diesen Filmen auseinander setzte, desto mehr faszinierten sie ihn.
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