Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneThe Thing (2011)

Eiskalt und tödlich

„The Thing“ von 2011? Bitte nicht wieder ein abgedroschenes Remake eines Klassikers! Davon hat die Kinowelt beim besten Willen zu viel durchstehen müssen. Daher können wir hier auch Entwarnung geben. Matthijs van Heijningen Jr., der mit diesem Film sein Kinodebüt gab, hat weder ein Remake noch eine unglückliche Fortsetzung angestrebt. Dieses Projekt wurde mit viel Respekt zu Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) als Prequel konzipiert und setzt hier trotz Computereffekte nochmal ganz gepflegt eins drauf. Bodyhorror für Fortgeschrittene sozusagen.

Die Geschichte

Ice Ice Baby (Foto: Universal Pictures)

Ice Ice Baby (Foto: Universal Pictures)

1982 – ein norwegisches Forschungsteam in der Antarktis begibt sich in einer Schneeraupe per Signaldetektor auf die Suche nach einer Anomalie unter dem Eis. Das Signal wird stärker. „Stoooop“ schreit einer der Wissenschaftler. Es herrscht Ruhe, ein Knacken, ein Krachen – das Fahrzeug bricht ein und rauscht meterweit in einen Eisschacht, wo es kopfüber steckenbleibt. Unter Todesangst blicken die Insassen auf ein riesiges Raumschiff.

48 Stunden später besucht der leitende Wissenschaftler der Expedition die junge Paläontologin Kate Lloyd (Mary Elizabeth Winstead) in ihrem Labor. In ihrer Playlist läuft verheißungsvoll der Titel „Who Can It Be Now“ von Men At Work. Er berichtet ihr von einem Konstrukt und „irgendeiner Spezies“. Kate wird engagiert, um die Fundstelle und den Fremdorganismus genauer zu erforschen.

Angekommen in dem Eiskrater, bekommt Kate einen ersten Eindruck. Das Signal, dass die Wissenschaftler verfolgten, entstand scheinbar als der „Überlebende“ versuchte das Schiff zu verlassen. Dieses lag vermutlich schon über 100.000 Jahren unter der Oberfläche verborgen. Die Kreatur, nach der Flucht im Eis verschlossen, wird nun als Block geborgen und in die Forschungsstation transportiert.

Hier hilft nur noch eins: Feuer frei (Foto: Universal Pictures)

Hier hilft nur noch eins: Feuer frei (Foto: Universal Pictures)

Trotz der eindringlichen Warnung der Paläontologin, die darauf hin unbeachtet ihres Platzes verwiesen wird, beginnen die Männer mit einer Bohrung zur Gewebeentnahme. Ein berechtigtes „ich habs euch ja gesagt“ verkniff sich die gute Kate, als das „Ding“ wenig später den Block sprengt, durch die Decke flüchtet und beginnt, sich an den ersten Männern zu vergreifen.

Panik bricht aus. Es dauert nicht lange, bis der erste Forscher zur Unkenntlichkeit mutiert und in Notwehr inklusive Hütte flambiert wird. Die Autopsie des entstellten, krossen Leichnams enthüllt die Reproduktion eines anderen Menschen im Inneren der Kreatur. Als Formwandler ist das Alien imstande jedes Lebewesen zu befallen, sich seinen Zellen anzupassen und diese zu imitieren. Jedoch gelingt das nicht mit künstlichen Teilen des Menschen wie Schmuck, Zahnkronen oder Implantaten. Doch reicht diese Erkenntnis, um die Wirte zu erkennen, bevor sie sich in brutale Entstellungen ihrer selbst verwandeln und „das Ding“ der Station entkommt?

Filmkritik „The Thing (2011)“

Wie ein Labyrinth (Foto: Universal Pictures)

Wie ein Labyrinth (Foto: Universal Pictures)

Das Ding aus einer anderen Welt“ von John Carpenter erschien 1982 und wurde trotz der anfänglich schlechten Resonanz zum Helden des Genres. Um diesem Filmklassiker Tribut zu zollen, wurde das Set des norwegischem Teams komplett originalgetreu nachgebaut. Der offene Anfang des 82er Films wurde gekonnt genutzt, um der Geschichte vorzuarbeiten. Schon Carpenter bediente sich an der Erstverfilmung von 1951 von Christian Nyby/ Howard Hawks nach der Kurzgeschichte „Who Goes Theres?“ von John W. Campbell Jr., welche auch hier als Drehbuchquelle erwähnt ist. Nun kann man als kritischer Betrachter natürlich ein solch tollkühnes Projekt verurteilen. Aber dazu sage ich ganz klar: bitte objektiv bleiben! Es ist schlicht und einfach gelungen.

Auch wenn hier kein prachtbärtiger, smarter Kurt Russel die Fackel hoch hält, sind hier zeitgenössisch starke Frauen am Start. Mary Elizabeth Winstead ist bereits erprobt im Horrorgenre. Nicht zuletzt in „Final Destination“, „Stirb langsam 4.0“ und besonders überzeugend in „10 Cloverfield Lane“ bringt sie grenzwertige Situationen schauspielerisch gekonnt auf den Punkt. Auch die männliche Besetzung ist absolut durchdacht und überzeugt durch Charaktervielfalt mit stabilen Konfliktpotenzial.

Es wird alles versucht ... um zu überleben (Foto: Universal Pictures)

Es wird alles versucht … um zu überleben (Foto: Universal Pictures)

Die Atmosphäre ist erneut erdrückend gut: die Kälte und die Einsamkeit der Antarktis. Darin der Mikrokosmos in Form enger Bunker, in denen das Schicksal seinen Lauf nimmt. Die Filmmusik ist etwas ausgefeilter als in Carpenters Variante, dennoch genauso wirkungsvoll. Ein Musiktitel prognostiziert das Horrorszenario in der Phase des Aufbaus: „Who can it be now?“ –  Klänge der Spannung unterstreichen die nervenzerreißende Lage. Selbst in der Stille der Innenräume ist immer der schneidende Eiswind der Außenwelt hörbar.

Aber was „The Thing“ so suchtgefährdend macht, sind die einmaligen „Creature-Features“. Auch wenn hier die gute 82er Handarbeit dem Computerzeitalter gewichen ist, wurde hier keineswegs geschlampt. Es treten einige hochgradig wunderschön-unangenehme Monster auf den Bildschirm, die man garantiert nicht so schnell vergisst.

Die Versionen

Diesen schönen Bodyhorror-Alien-Science-Fiction -Trip gibt es sympathischerweise schon ab 16 Jahren. Das mag wohl dem bescheidenen Blutfluss geschuldet sein. Dennoch sollte man wohl etwas gefestigt sein, um diesem 99-minütigen Festival der Mutationen beizuwohnen, um ohne verstörende Träume oder auch Traumata durch die Nacht zu kommen.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Wie auch schon die Schneeraupe zu Beginn des Films, krachte auch der finanzielle Erfolg hart durch die Decke – leider nach unten. An Carpenter kommt er sicher nicht heran, aber das muss er auch nicht! Die Ausgangslage überzeugt, die Erzählweise ist absolut geradlinig und mitreißend, das Ende offen und für aufmerksame Betrachter auch nicht ganz eindeutig. „Who can it be now?“ ist die Schlüsselfrage, und diese wird nie beantwortet, bis es passiert. „The Thing“ ist eine Vor-Fortsetzung die das Genre in jedem Fall bereichert.

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "The Thing (2011)"

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Über den Autor Mallory Knox

Schon von Klein auf kitzelte Mallory Knox das künstlerisch Spezielle. Filme hatten dabei immer einen besonderen Stellenwert. Nicht zuletzt durch die Ästhetik Cronenbergs verfiel sie dem Genre restlos und gibt jetzt schreibwütig ihren Senf dazu.
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