Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneThe Thing – Das Ding aus einer anderen Welt

Kälte, Isolation und Monotonie

1982 war ein großes Jahr für die Etablierung extraterrestrischer Lebensformen in der Filmlandschaft. Weltweit schmolzen Herzen und flossen Tränen als E.T. nach Hause telefonierte. Eine erheblich weniger liebreizende Lebensform brachte zeitgleich Genie und Einzelgänger John Carpenter ins Spiel. „Das Ding aus einer anderen Welt“ bringt weitaus mehr Körperteile zum Schmelzen. Und das mit einer bis dato noch nie dagewesenen Handarbeit, ganz ohne computergenerierte Spezialeffekte.

Die Geschichte

Kurt Russel als McReady ist bereit (Foto: Universal Pictures)

Kurt Russel als McReady ist bereit (Foto: Universal Pictures)

Wir befinden uns in der lebensfeindlichen und eiskalten Schneelandschaft der Antarktis. Zwei bewaffnete Norweger verfolgen in einem Helikopter einen Schlittenhund mit tödlicher Absicht. Sie erreichen eine Außenstelle des US Antarctica Research Programms. Das zwölfköpfige Team, alarmiert durch den Lärm, empfängt freundlich das Tier während die Norweger landen. Die panischen Jäger eröffnen unter Warnschreien erneut das Feuer. Die Situation eskaliert, die Norweger sterben im Schusswechsel, der Hund bleibt im Camp.

Da kein Funkkontakt möglich ist, fliegen zwei der amerikanischen Forscher, darunter der Pilot McReady (Kurt Russel), zur Klärung des tödlichen Vorfalls zum norwegischen Camp. Dort findet sich nur noch ein abgebranntes Trümmerfeld. In einem der Bunker entdecken sie einen riesigen, hohlen Eisblock, in der Funkzentrale einen gefrorenen Suizid-Leichnam und ein grotesk deformiertes Wesen im Schnee. Nach weiterer Sicherstellung einiger Videodokumente, fliegen sie zurück zum Stützpunk. Die krosse Kreatur landet auf dem Seziertisch. Trotz der abstrakten Form scheinen die Organe rein humanoid.

On fire (Foto: Universal Pictures)

On fire (Foto: Universal Pictures)

Noch herrscht unheilvolle Entspannung in den Bunkern. Aus dem Radio ertönt „Superstitious“ von Stevie Wonder. Der fremde Hund bewegt sich frei durch die Männergesellschaft bis er schließlich zu den anderen Schlittenhunden in den Zwinger gesperrt wird. Zum Leidwesen seiner Artgenossen. Denn von hier an beginnt das große Spektakel: das Tier mutiert nach allen Regeln der Kunst und Tentakel schnellen durch die Luft. Nachdem Schüsse wirkungslos bleiben, beendet McReadys Flammenwerfer das Horrorszenario – vorerst.

Wenig später im Labor findet sich im Inneren der importierten Kreatur Kurioses: zwischen all den menschlichen Organen entwickelt sich ein hundeähnliches Lebewesen. Eine Imitation einer der Schlittenhunde. Auch die Videos der Norweger sind verstörend. Sie zeigen die Freisprengung eines riesigen Eiskraters, in dessen Mitte sich ein vermutlich über 100.000 Jahre verborgenes Raumschiff versteckt hielt. Das apokalyptische Ausmaß wird langsam deutlich. Durch Anpassung und Nachahmung der Zellen kann das Alien jedes Individuum befallen: es absorbieren, mutieren, zerstören und sich weiter ausbreiten.

Mit dieser Erkenntnis erblüht schleichend die nervenzerreißende Paranoia. Wer ist noch ein Mann, wer bereits ein Monster? Misstrauen trennt die Truppe. Die Frage nach einem Ausweg peitscht McReady zu drastischen Maßnahmen. Wer verwandelt sich als nächstes in eine fleischige Mutation seiner selbst? Und wird „das Ding“ den Weg aus der weißen Hölle hin zum Rest der Menschheit finden?

Filmkritik „The Thing – Das Ding aus einer anderen Welt“

Ganz übler Gefrierbrand (Foto: Universal Pictures)

Ganz übler Gefrierbrand (Foto: Universal Pictures)

„Twelve men just discovered something – for over 100.000 years it was buried into snow and ice. Now it found a place to live – inside! Where no one can see it or hear it or feel it…“ – so klang „The Thing“ 1951 in seiner Erstverfilmung von Christian Nyby bzw. Howard Hawks nach der Kurzgeschichte „Who Goes Theres?“ von John W. Campbell Jr.. John Carpenter sah ihn bereits mit 5 Jahren und erfüllte sich mit dieser 15 Mio. schweren Produktion einen Lebenstraum. Ein Kassenschlager war es, trotz der revolutionären Leistung des Maskenbildners Rob Bottin („The Fog“, „Robocop“, „Seven“), nicht. Ähnlich wie bei „Bladerunner“, ebenfalls ein 82er Jahrgang, war die Welt noch nicht bereit. Zu harte Splatterelemente sowie sehr explizite Gewaltdarstellungen überforderten das damalige Massenpublikum. Heute ist „The Thing“ einer der einflussreichsten Klassiker seines Genres. Aber jetzt mal weg von den Fakten und ganz subjektiv beurteilt: ja verdammt, das ist ein Meisterwerk!

Wir befinden uns in einem Umfeld, die gekennzeichnet ist von Kälte, Isolation und Monotonie. Darin eine Gruppe Männer, deren Charaktere gekonnt charismatisch und verschieden gezeichnet sind. Ein Formwandler infiltriert das eingespielte Team und jeder kämpft auf seine Weise mit Misstrauen, Paranoia und purer Todesangst.

Manchmal hilft nur noch der Defibrillator (Foto: Universal Pictures)

Manchmal hilft nur noch der Defibrillator (Foto: Universal Pictures)

Unterstützt wird dieser tiefe Nervenkitzel durch eine subtile und handwerklich perfekt eingesetzte Filmmusik (Ennio Morricone). Nur Stevie Wonder weißt anfangs in einem Moment der letzten Gelassenheit mit brilliant platzierten Lyrics auf die nahende Katastrophe hin: „If you believe in things, you don’t understand, than you suffer…“ Sonst ist es eher Ruhe die das Geschehen wirken lässt. Unnötige, dramatische Effekte weichen hier der puren, soliden Spannung.

Aber „Das Ding aus einer anderen Welt“ wäre nichts, ohne die grandiosen „Bodyhorror“-Elemente. Die absoluten Highlights dieses Filmes sind die einmaligen Metamorphosen, die mit einer guten Portion krankem Wahnsinn immer wieder unerwartet ein Festival der Deformation offenbaren.

Die Versionen

1984 landete die empfehlenswerte ungekürzte Fassung auf dem Index. Zum Glück der Fangemeinde lief die 25-Jahresfrist vor einigen Jahren aus. 2009 entschied BpjM (Bundeszentrale für Kinder- und Jugendschutz), dass der Film nicht mehr jugendgefährdend ist. Seitdem erfreuen wir uns an der ungekürzten Fassung „ab 16“ in einer Stunde und neunundvierzig Minuten inklusive der zwölf Minuten Splatterspaß. Ein wenig Festigung wünsche ich jedoch allen Teenies, die sich diesem recht anspruchsvollen Mutations-Level aussetzten.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Auch wenn er nie die Popularität von „Halloween (1978)“ erreichte, ist Carpenter mit „The Thing“ ein brillanter Vertreter des Science-Fiction-Bodyhorrors gelungen, der Seinesgleichen sucht und nie finden wird. Selbst nach mehrmaligem Genuss sucht man hier vergebens nach Anzeichen und Prognosen, welcher Körper als nächstes zu Monstrositäten mutiert. Es bleibt einfach spannend und unvorhersehbar. Für Carpenter selbst ist es noch heute einer seiner Lieblingsfilme, denn hier konnte er echten Horror zeigen. Und ich sage, danke John! Dafür dicke 5 Sterne und für immer ein Platz auf dem Olymp!

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "The Thing – Das Ding aus einer anderen Welt"

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Über Mallory Knox

Schon von Klein auf kitzelte Mallory Knox das künstlerisch Spezielle. Filme hatten dabei immer einen besonderen Stellenwert. Nicht zuletzt durch die Ästhetik Cronenbergs verfiel sie dem Genre restlos und gibt jetzt schreibwütig ihren Senf dazu.
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