Matomo

Bewertung: 4/5 Sterne

Filmkritik Talk to me

Sprich mit mir

Hand anfassen und fragen, ob man mit einem Dämon plaudern will – so einfach geht Spaß heute. Oder? Das haben sich jedenfalls die Teenager im australischen HorrorthrillerTalk to me” vorgenommen. Wer es noch extremer möchte, lässt den herbeigerufenen Geist von sich Besitz ergreifen. Aber Achtung: nicht mehr als 90 Sekunden – andernfalls riskiert man Kopf und Kragen. Vor allem aber seinen Kopf.

Die Handlung

Hand drauf (Foto: Capelight Pictures)

Hand drauf (Foto: Capelight Pictures)

Das Leben der 17-jährigen Mia (Sophie Wilde) ist komplett aus den Fugen geraten, als ihre Mutter starb. Auch das Vertrauen zu ihrem Vater lässt immer mehr nach. Es quält sie die Frage, ob es Selbstmord oder Unfall war. Um auf andere Gedanken zu kommen, verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit mit Freundin Jade (Alexandra Jensen) und ihrem Bruder Riley (Joe Bird).

Seit Kurzem macht in der Schule ein außergewöhnliches Video die Runde. Zu sehen ist ein Jugendlicher, komplett in Trance, der Kontakt zu einem vermeintlichen Toten aufnimmt. Täuschung oder Tatsache? Die Clique um Mia möchte es herausfinden und das Spielchen ausprobieren. Dafür müssen sie eine speziell einbalsamierte Hand berühren und dabei die Worte “Sprich mit mir” sagen. Die Gruppe lässt Mia anfangen. Es klappt und schon ist sie Vis-à-vis mit einem Geist. Als sie dann noch “Ich lasse dich hinein” sagt, kriecht die Kreatur ihn ihren Körper und lässt sie wirklich schräge Dinge tun.

Ich glaube, es wirkt schon! (Foto: Capelight Pictures)

Ich glaube, es wirkt schon! (Foto: Capelight Pictures)

Der Partygag schlechthin: Jeder probiert es aus. Selbst der ruhige Ex-Freund Daniel (Otis Dhanji) macht mit und knutscht mit dem Haushund herum. Die Gruppe findet’s irre lustig. Als Riley das Ganze auch probieren will, sind zuerst alle dagegen. Schlussendlich einigt man sich auf 60 Sekunden. Wenig später spricht der 13-Jährige mit der Stimme von Mias Mutter. Doch dann läuft die Séance aus dem Ruder. Riley kommt nicht mehr zurück und verletzt sich selbst schwer. Er wird ins Krankenhaus eingeliefert. Scheinbar ist immer noch ein Dämon in ihm.

Filmkritik “Talk to me”

Ganz schön schräg (Foto: Capelight Pictures)

Ganz schön schräg (Foto: Capelight Pictures)

Ihren eigenen Stil haben sich die Philippou-Brüder seit Jahren erarbeitet. Nicht umsonst hat ihr YouTube-Kanal mehr als 6,73 Mio. Abonnenten. Mit “Talk to me” betreten die beiden neues Terrain. Ihre Fans haben bereits vor dem US-Kinostart eine virale Lawine losgetreten. Denn bei dem Projekt handelt sich um einen abendfüllenden Spielfilm. Apropos. Die fast 100 Minuten Laufzeit sind auch der größte Kritikpunkt an dieser Stelle. Ohne zu viel verraten zu wollen, zieht sich das Ende lang wie Kaugummi. Dadurch erhält der Mystery-Thriller eine Komponente verliehen, die er eigentlich nicht verdient: nämlich Langeweile. Warum das erfolgreiche Produktionsteam A24 (“It comes at Night”, “Midsommar”, “Men”) an dieser Stelle nicht auf die Bremse getreten ist, bleibt unklar. Gut getan hätte es dem sonst unterhaltsamen Streifen definitiv.

Inhaltlich ist “Talk to me” solide konzipiert. Sophie Wilde spielt ihre Rolle als Mia überzeugend. Nebenhandlungen und Dialoge sind authentisch und größtenteils nachvollziehbar. Selbst die nicht mehr so ganz frische Idee einer Séance, um mit Toten zu sprechen, wird gut umgesetzt. Da passt alles. Glücklicherweise kommen an keiner Stelle irgendwelche komischen Sachen zum Vorschein, was auch den Grad des Humors betrifft. Vielmehr sind es die heftigen Szenen, die einem ordentlich zusetzen. Joe Bird als Riley schockt da ganz schön. Stichwort: Kiefer auf die Kommode oder Hinterkopf gegen die Fliesenwand.

Kuscheln mal anders (Foto: Capelight Pictures)

Kuscheln mal anders (Foto: Capelight Pictures)

In Summe machen Danny und Michael Philippou vieles richtig, denn zweifelsohne funktioniert ihr Hokuspokus auch mit entsprechendem Nachdruck. Der Film zeigt eine Welt von Teenagern, die sich zwischen Älterwerden, Verunsicherung und Geisterglaube zurechtfinden müssen. Diese Gratwanderung wird dramatisch erzählt und bricht stellenweise in Extremen aus. Mit einem fokussierten Finale wären fünf Punkte drin gewesen. Schade drum.

Die Versionen

Am 27. Juli 2023 soll der Mystery-Horror “Talk to me” ungeschnitten im Kino anlaufen. Die FSK gab ihm ab 16 Jahren frei. Soweit in Ordnung.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Etwas langatmig und vor allem am Ende zu undurchsichtig. Fans von “Ouija” und “Der Badadook” werden mit “Talk to me” trotzdem auf ihre Kosten kommen. f90ce42455b943529e9f7bb4a92a141e

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Talk to me"

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Über Ash Williams

Vor Jahren hat er sich noch vor Horrorfilmen gegruselt. Naja, vielleicht so ein bisschen. Jetzt schaut er sie jedenfalls mit ganz anderen Augen. Je länger er sich mit diesen Filmen auseinander setzte, desto mehr faszinierten sie ihn.
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