Filmkritik Bewertung: 2/5 SterneGiallo

Müdes Spätwerk von Italo-Splatter-Papst Dario Argento.

Schlitzer treibt Unwesen in italienischer Großstadt. So beginnen klassische Giallo-Filme. Nur waren die in den Siebzigern noch cool, stilsicher und spannend. Alles Eigenschaften, die dieser Langweiler nicht hat.

Die Geschichte

Und so guckt er den ganzen Film über … (Foto: Sony Pictures)

Linda ist aufgelöst. Eben hat sie noch mit ihrer Schwester telefoniert, die sie in Turin besuchen wollte. Schwesterchen saß im Taxi und war auf dem Weg von der Modenschau nach Hause – wo Linda schon wartete –, als die Verbindung abbrach.

Linda wendet sich an die Polizei, die jedoch – hallo Klischee – sich mehr für die gerade gelieferte Pizza interessiert als für das verschwundene Schwesterherz. Schön blöd. Doch jemand verweist sie in den Keller. Dort arbeitet Inspektor Enzo Avolfi (Adrien Brody), ein kaputter Typ, der Serienkiller zur Strecke bringen will und das auch manchmal schafft. Nach anfänglichen Rangeleien schließen sich die beiden zusammen und beginnen zu forschen.

Währenddessen liegt Lindas Schwester gefesselt auf dem maukigen Boden einer Müffelbude. Ihr Entführer ist ein verunstalteter Typ mit Komplexen. Er hat es sich zum Sport gemacht, seine Opfer zu verstümmeln, zu töten, dann zu fotografieren und zu entsorgen. Die Fotos geilen ihn ziemlich auf. Und natürlich hatte er ein traumatisches Erlebnis als Kind.

Fette Action mit Adrien Brody und Emanuelle Seigner (Foto: Sony Pictures)

Die Zeit läuft.

Filmkritik „Giallo“

Eigentlich ist Dario Argento der Meister der blutfröhlichen Giallo-Filme, in denen stets ein Serienkiller jungen Damen das Licht ausknipst. Er kann Stil, Spannung und Optik. Gern erinnern wir uns an seinen Thriller „Sleepless“. Doch auch ein Dario Argento ist alt geworden und hat Biss verloren – und das sehen wir diesem Werk jederzeit an.

Der eigentlich so zuverlässige Adrien Brody schlurft müde durch die hübsche Turiner Kulisse. Immerhin darf er hier, im Gegensatz zu Hollywood, in jeder Szene eine Kippe anstecken. Das ist immer noch Europa.

Die ebenfalls nicht filmunerfahrene Emanuelle Seigner beginnt gar nicht erst mit dem Schauspielen. Sie stöckelt durch den Film, kann ihrem Charakter nichts abgewinnen und verzieht ab und zu unglaubwürdig das Gesicht. Wie sollen wir bitteschön mit solchen Leuten mitfiebern?

Lindas Schwester ist trotzdem von diesem Film gefesselt (Foto: Sony Pictures)

Die Szenen mit dem kaputten Killer gehen dagegen durchaus in Ordnung. Er ist ziemlich krank und verursacht bei uns tatsächlich so etwas wie Beklemmungen. Das ist okay, wenn auch nicht besonders originell.

Insgesamt fehlt es dem Film aber an Leidenschaft. Überbordende Figuren, heißes Timing, krasse Dialoge oder wenigstens ein paar deftige Mordszenen – wir warten vergeblich. Und nach einer Stunde ist es uns egal, ob das undynamische Duo den Killer fasst. Irgendwie wirkt alles so bieder, betulich und weich wie ein Fernsehspiel im ZDF.

Schade, dass ausgerechnet so ein Missgriff den Namen eines ganzen Genres tragen muss.

Die Versionen

Gerade gestern vermeldete das Portal Schnittberichte.com, dass die FSK „Giallo“ ab 18 Jahren ungeschnitten freigegeben hat. Irgendwie wundert uns das. Es gibt deutlich brutalere Streifen, die sogar mit einer 16er Freigabe durchkommen.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Lahmer Slasher-Krimi, so bissfest wie zerkochte Spaghetti.

Bewertung: 2/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Giallo"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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