22.10.2010

Vampire: Der Tod der Unsterblichen

Vampire: Der Tod der Unsterblichen

Was ist nur aus dem guten alten Genre der Blutsauger geworden? Wo sind sie hin, die coolen unsterblichen Vampire? Einst waren sie so britisch wie Christopher Lee, so sexy wie David Bowie, so brutal wie Wesley Snipes.

Und heute?

Wenn wir uns den neuen Teenage-Beau Robert Pattinson ansehen, ahnen wir bereits, was dem Vampir passiert ist. Es ist aus. Spätestens mit den „Twilight“-Filmen hat Hollywood die nachtaktiven Sauger zu laschen Lutschern weichgespült. Liebe und Schmerz erfüllen das einst so kalte Vampir-Herz. Hinzu kommt eine kräftig propagierte und ach so erstrebenswerte Enthaltsamkeit, die einer Sarah Palin zur Ehre gereichen würde. Nur passen Vampire und Keuschheit ungefähr so gut zusammen wie Guido Westerwelle und Kompetenz.

Früher war im Vampirfilm noch was los

Wie aufregend war das Genre noch, als noch echte Typen wie Christopher Lee die Särge bevölkerten und harte Hunde wie Peter Cushing als Van Helsing ihnen Knüppel durch die Rippen jagten. Wie cool und hart war Wesley Snipes als Blade – zumindest im ersten Teil. Da floss der Saft in Strömen, wenn’s o’zapft war. Zipp zapp, Rübe ab, und danach zerstäuben. Einem Robert Pattinson würde so etwas nur das schmucke Shirt verschmutzen.

Vampirfilme, wie sie uns Hollywood zurzeit beschert, sind so saftlos wie eine aufgebrauchte Blutkonserve. Die Freigabe ab 12 Jahren für die „Twilight“-Filme spricht Bände. Sooo brutal sind Vampire doch gar nicht. Aber dafür so süüüüß.

Oder nehmen wir das fröhliche Hackfest, das Robert Rodriguez in „From Dusk till Dawn“ veranstaltete. Es verpasste dem damals brach liegenden Genre des Vampirfilms eine völlig neue, irre Dimension. Die Erotik von Tony Scotts „Begierde“ mit David Bowie würde einem Twilight-Fan vermutlich sofort ein Sexualtrauma verpassen.

Hoffen wir, dass Regisseur Dennis Gansel uns seinen deutschen Vampir-Beitrag „Wir sind die Nacht“ mit ordentlich Biss serviert. Genug mit dem luschigen Geschwurbel.

Seht euch dagegen lieber diese wirklich guten Vampirfilme mal an:

  • Dracula – Christopher Lee und Peter Cushing in der legendären Produktion der britischen Hammer-Studios
  • Begierde – Erotischer Vampirfilm mit Starbesetzung (David Bowie, Catherine Deneuve, Susan Sarandon)
  • Die Herren Dracula – Christopher Lee nimmt sich selbst auf die Schippe. Lustig
  • Liebe auf den ersten Biss – George Hamilton als tuckiger Blutsauger, der immer nach seinem Diener Rrrrrrrenfield ruft
  • From Dusk till Dawn – Robert Rodriguez’ rockiger Gegenentwurf zur Vampirkultur. Dreckig, hart und ziemlich witzig
  • Interview mit einem Vampirder Vampirfilm der Grufti-Szene. Poetisch, sinnlich, gut
  • Tanz der Vampire – der Klassiker von Roman Polanski mit einem einzigartigen Albert-Einstein-Verschnitt in der Hauptrolle
  • Blade – Wesley Snipes richtet als coole Sau unter Vampiren ein Blutbad an. Heftig

Fehlt noch einer?

Foto: Ivan Bliznetsov (Fotolia.com)

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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