Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneWir sind die Nacht

Cooler Vampirfilm aus deutschen Landen mit Karoline Herfurth.

Regisseur Dennis Gansel („Mädchen, Mädchen“, „Die Welle“) lässt vier Vampirbräute nachts durch Berlin toben. Das ist blutig und ziemlich abgefahren. Ab 7. April 2011 als Verleih-DVD und ab 14. April zum Kaufen.

Die Geschichte

In einen Vampir verwandelt: Karoline Herfurth als Lena (Foto: Constantin Film)

Die 20-jährige Lena hatte keine Ahnung, wen sie da gerade beklaut. Schon versucht die Polizei, sie zu umzingeln. Sie entkommt zunächst. Nur der flotte Jungbulle Tom (Max Riemelt) kann ihr folgen. Doch auch ihn wimmelt sie nach einem kurzen Wortwechsel und einem schmerzhaften Tritt ab.

In Lenas Leben ist einiges schief gelaufen: Gelernt hat sie nichts, ihre Mutter geht mit dem Bewährungshelfer lautstark ins Bett, Autos klauen ist reine Routine. Und dann beißt abends auch noch diese langbeinige Blondine Louise (Nina Hoss) ihr in einem Techno-Schuppen einfach in den Hals. Lena leidet in dieser Nacht Höllenqualen. Am Morgen danach ist nichts mehr, wie es mal war.

Louise holt Lena in einen exklusiven Kreis weiblicher Vampire. Sie ziehen durch Berlin, saugen harmlose Jungs aus, schniefen, saufen und vögeln. Altern können sie nicht mehr, sterben nur durch Sonnenlicht. Spaß ohne Ende.

Derweil hat Tom herausgefunden, wer Lena ist und stellt ihr nach. Die ist ihm gar nicht so abgetan, was Louise wiederum gar nicht haben kann. Hei, das gibt Probleme. Zumal Tom nicht weiß, was mit Lena passiert ist.

Filmkritik „Wir sind die Nacht“

Heiße Bräute mit heißem Schlitten – Nora und Louise wollen los (Foto: Constantin Film)

Schwüle Techno-Orgien. Mädchen, die in Porsche und Lamborghini durch die Straßen heizen, Flugzeuge kapern und über dem nächtlichen Berlin abspringen. In seinem blutigen Großstadt-Trip greift Regisseur Dennis Gansel in die Vollen. Er inszeniert die nächtlichen Streifzüge seiner Blutsauger als einen prallen, und dekadenten Rausch, der nie zu enden scheint. Gesetze? Geld? Gegner? Seine Vampirellas stehen über allem und nehmen sich, was sie wollen. Das erinnert entfernt auch daran, wie sich einige Größen aus Industrie, Politik und Finanzwesen im öffentlichen Leben präsentieren. Ob das Absicht ist?

Und trotzdem erkennen wir in „Wir sind die Nacht“ auch die Leere, die dieser ständige Hochgeschwindigkeitswahnsinn zwangsläufig hinterlässt. Das sind die Momente, in denen die Vampire mal nicht mit der Nase im Koks stecken oder einen Gespielen auslutschen. Dann wissen sie nicht mehr viel mit sich anzufangen.

Polizist Tom (Max Riemelt) will Lena finden (Foto: Constantin Film)

Kaum zu glauben, dass ausgerechnet aus dem sonst so verkopften Deutschland so ein gelungener Genrebeitrag kommt. Aber tatsächlich ist Gansel ein stilsicherer, toll getrickster und noch besser gefilmter Großstadtalptraum mit einem Schuss Lokalkolorit gelungen. Er hält internationalen Konkurrenzproduktionen in jeder Hinsicht stand oder übertrifft sie sogar. Tiefgang und optischer Overkill halten sich in etwa die Waage, und ganz nebenbei liefert Gansel auch noch im Ansatz das Porträt eines kaputten Straßenkinds.

Mit der wie immer großartigen Karoline Herfurth hat er nach „Mädchen, Mädchen“ erneut die ideale Hauptdarstellerin gefunden. Das ist schon gekonnt, wie sie die Wandlung von der Rotzgöre zur Tochter der Nacht meistert, an der trotzdem stets die eigenen Zweifel saugen. Auch in den weiteren Rollen ist Gansels Thriller fein besetzt.

Einziger Mangel: Wir hätten gern noch etwas mehr über die Vorgeschichte der drei Vampire erfahren. Das ist im Ansatz zwar enthalten, hätte aber gerne etwas ausführlicher sein können. Kein schlechter Anlass für eine Extended Edition.

Die Versionen

„Wir sind die Nacht“ läuft 100 Minuten und ist uncut. Wegen einiger schaurig schöner Bluteffekte hat die FSK das Stück zu Recht ab 16 Jahren freigegeben.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Knalliges, deutsches Vampirdrama mit etwas Tiefgang.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Wir sind die Nacht"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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