Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneWe Have Always Lived In The Castle

Ein Leben im öffentlichen Misstrauen.

Ein ungewöhnliches Haus und seine Bewohner: Das Anwesen der Blackwood ist der Dorfgemeinde ein Dorn im Auge. Die mysteriöse Familiengeschichte, die sich hinter den Mauern verbirgt, sorgt für Hass und wilde Spekulationen.

Die Geschichte

Wir liefern wirklich überall hin. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Wir liefern wirklich überall hin. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Die Geschwister Merricat und Constance leben zusammen mit ihrem verwirrten Onkel Julian in einem alten Gemäuer, das hoch über die Stadt ragt. Anschluss zur nahegelegenen Dorfgemeinschaft haben die drei Familienmitglieder nicht. Grund für die Ablehnung ist ein tragischer Vorfall, der das Leben der Blackwoods erschütterte: Neben Mutter und Vater kamen auch ein jüngerer Bruder und die Tante der Mädchen durch eine folgenschwere Vergiftung ums Leben. Hinter dem Rücken lässt der Dorftratsch keinen Zweifel daran, dass Constance die feige Mörderin war. Sie wurde jedoch nie verurteilt.

Seither leben die drei verbliebenen Familienmitglieder abgeschieden auf dem schlossähnlichen Anwesen. Als eines Tages ein Fremder vor der Tür steht und sich als verschollener Cousin Charles ausgibt, gerät das beschauliche Zusammenleben in Schieflage. Immer mehr drängt sich Charles in die Angelegenheiten der Familie und will die Führung im Haus übernehmen. Sein Interesse am Familienerbe macht Merricat misstrauisch, ob hinter der Hilfsbereitschaft, nicht doch noch ein egoistischer Plan steckt. Zwischen dem jungen Mädchen und dem herrschsüchtigen Cousin entflammt ein Kampf auf Leben und Tod.

Filmkritik „We Have Always Lived In The Castle“

Kochen war noch nie ihre Stärke. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Kochen war noch nie ihre Stärke. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Die Vorlage zum Film liefert die 1965 verstorbene Autorin Shirley Jackson, die mit ihrem Klassiker „The Haunting Of Hill House“ ihren größten Erfolg feierte. Doch neben dem vielfach verfilmten Grusler schrieb Shirley Jackson noch weitere Romane, die bisher nur wenig Beachtung fanden. Einer von ihnen ist die Geschichte der Familie Blackwood.

Wie schon im „Hill House“ spielt auch in dieser Produktion das alte Haus eine entscheidende Rolle. Doch statt wehender Vorhänge und knarrender Türen übernimmt das Familienanwesen eine schützende Funktion ein: die Außenwelt fernzuhalten und das Böse nicht hineinzulassen. In Gestalt von Cousin Charles durchbricht eine schleichende Macht diese Grenze jedoch und öffnet die Pforte dunkler Abgründe. Das Gefühl des Unwohlseins und der unausgesprochenen Geheimnisse durchzieht den ganzen Film. Merricat und Constance tragen eine Last in sich, die sie nicht teilen möchten. Fast möchte man die beiden Frauen schütteln, um endlich zu wissen, was sie verbergen.

Die blütenreine Weste spricht nicht für seine Patientenpflege. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Die blütenreine Weste spricht nicht für seine Patientenpflege. (Foto: Kinostar Filmverleih)

Diese Aura umgibt den gesamten Film. Das ungewöhnliche Verhalten erhält jedoch erst durch die keifenden Dorfbewohner die mystische Note, die mit ihren Schauermärchen mehr Legenden erzeugen als die Familie Blackwood eigentlich umgibt. Spätestens, wenn der wütende Mob auf das Anwesen stürmt und Merricat und Constance lynchen will, wird klar, wer die Opfer in diesem dunklen Drama sind.

Wie sich die Vorfälle tatsächlich abgespielt haben, verrät das Drehbuch nicht. Der Rest an Zweifel und Misstrauen rundet andererseits die Idee des Filmes konsequent ab.

Die Versionen

Der Film „We Have Always Lived In The Castle“ wird in ungekürzter Version veröffentlicht und ist mit einer FSK-Freigabe ab 12 Jahren versehen. Wer sich von der milden FSK abschrecken lässt, verpasst einen Film, der mit dichter Atmosphäre mehr Unbehagen erreicht als manche Blutfontäne.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Stark gespieltes Charakterstück, das gleichermaßen als Mystery-Thriller überzeugt: Irgendwo zwischen diesen Mauern ist mehr verborgen als wir sehen.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "We Have Always Lived In The Castle"

Über den Autor Cotton Weary

Als Kind der 90er Jahre wuchs Cotton Weary mit der gerade startenden Teenie-Horrorwelle auf. „Scream“ legte nicht nur den Grundstein für die Freude an Horrorfilmen, sondern war auch der Stein des Anstoßes, um Kino lieben zu lernen.
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