Filmkritik Bewertung: 3/5 SterneThe Vatican Tapes

Exorzismus. Mal wieder.

Eigentlich wissen wir schon, was kommt: Da wird jemand besessen, dann kommt ein Priester und treibt das böse Etwas mit viel Getöse wieder aus. So auch hier. Fast. Nur der Schluss ist ein wenig anders.

Die Geschichte

Angela hat’s mit dem Kreuz (Foto: Universum Film)

Nach einer scheinbar harmlosen Verletzung wird die sonst so ruhige und besonnene Angela plötzlich zunehmend aggressiv und um sie herum geschehen seltsame Dinge. Schon bald wird klar, dass dies nicht viel mit ihrem Oberstübchen zu tun hat – vielmehr haust eine böse Entität in ihr.

Schon bald rücken die Herren Priester an, zum Teil direkt aus dem Vatikan, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Zu spät erkennen sie, dass es sich bei dem eingenisteten Dämon um eine ganz besondere Hausnummer handelt.

Filmkritik „The Vatican Tapes“

Müssen wir nochmals das Exorzismus-Sujet durchleuchten? Ist vielleicht sinnvoll, also in der Kurzform: Die Menschheit glaubt ganz gerne an das unabdingbar Gute. Symbol dafür ist und bleibt die Kirche. Selbst bei Atheisten funktioniert diese Symbolwirkung. Umso gruseliger wird es, wenn gerade eine solche Institution an ihre Grenzen gerät. Oft genug wurden bereits Bibel und Kirche passenderweise für Horrorfilme herangezogen. In der Folge entstanden Klassiker wie „Der Exorzist“, „Das Omen“ oder „Das siebte Zeichen“. Dummerweise reicht es nicht, einfach einen Kuttenträger auf einen Dämon anzusetzen, um eine neue Horrorgranate zu schaffen.

Mal wieder durchgemacht? Klarer Fall für L’Oréal Men Expert (Foto: Universum Film)

„The Vatican Tapes“ beginnt sehr interessant: Er führt uns in die hintersten Winkel der Institution Katholische Kirche – jene Gefilde, in die sich sonst nur die Dan Browns dieser Welt wagen. Daraus hätte man durchaus etwas machen können.

Hätte – denn die Geschichte wird nach einem vielversprechenden Einstand sehr oberflächlich. Schon bald finden wir uns in einem Amerika der Gegenwart wieder, haben ein typisches American Girl auf dem Bildschirm, dessen Bodenständigkeit zunehmend schwindet, bis wir irgendwann wissen: Da schlummert ein furchtbar böser Bruder in dem Mädel. Das ist zwar bei Filmen dieser Art der typische Handlungsverlauf, doch so etwas lässt sich auch überzeugender umsetzen. Ist hier nicht geschehen.

Eine halbe Stunde mehr Laufzeit, eine sorgfältiger ausgearbeitete Story und ein besserer Regiestil hätten das Debakel verhindern können. Wir nehmen an dieser Stelle vorweg, dass wir von einem Verriss noch weit entfernt sind, die handwerklichen Fehler gehören dennoch benannt. Das betrifft vor allem die telegrammartig erzählte Entwicklung von einer Bagatellverletzung bis hin zur unvermeidlichen Dämonenparty. Die kausalen Zusammenhänge von einem Schnitt in den Finger bis hin zur Besessenheit möchten uns beim besten Willen nicht einleuchten.

Auch über den Schluss kann sicherlich jeder denken, was er möchte. Wir finden, dass weniger mehr gewesen wäre. Anstelle des hier gezeigten fatalistischen Endes hätten wir uns über den ganzen Film hinweg mehr Atmosphäre gewünscht.

Am Ende bleiben gut anderthalb Stunden leidlich spannende Unterhaltung mit einigen (sehr) kleinen Highlights. Aber es ist einfach schade wegen des verschenkten Potenzials.

Die Versionen

Übermäßige Gewalteinlagen gibt es nicht. Folglich hat die FSK den Streifen ab 16 Jahre ungekürzt freigegeben. Die Laufzeit beträgt 91 Minuten.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Dank handwerklicher Schwächen weit davon entfernt, ein Klassiker zu werden. In der Videothek allerdings gut aufgehoben.

Bewertung: 3/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "The Vatican Tapes"

Über den Autor Angus Sc.

Seine Affinität zu Horrorfilmen hatte er bereits in früher Jugend entdeckt. Daraus resultiert seine Vorliebe für Horrorklassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern.
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