Filmkritik Bewertung: 3/5 SterneKnock Knock

Braver Familienvater, böse Mädchen

Eli Roth („Hostel“) hat wieder zugeschlagen – diesmal zurückhaltender. Das gilt gleichermaßen für die für ihn sonst so typische exorbitante Gewalt, aber auch für das allgemeine Niveau. In seinem neuen Film ist viel drin, es wäre aber noch mehr drin gewesen.

Die Geschichte

Wer braucht noch Pin-Nadeln? (Foto: SquareOne/Universum)

Der brave Familienvater Evan Webber (Keanu Reeves) hat gerade Frau und Kinder in den Strandurlaub verabschiedet, um über das Wochenende ungestört arbeiten zu können. Daraus wird allerdings zunächst einmal nichts, denn bei strömendem Regen klopfen zwei völlig durchnässte Mädels an seiner Tür und bitten um Hilfe. Höflich, wie er ist, gewährt er ihnen diese, doch schon bald entsteht aus freundlichem Smalltalk eine Situation, in der er sich zunehmend den Übergriffen der scheinbar sexuell nicht ganz ausgelasteten Damen erwehren muss.

Die Situation eskaliert zusehends und schon bald zeigen die anfangs so nett erscheinenden jungen Frauen ihr wahres Gesicht. Evans Leben wird plötzlich zur Hölle.

Filmkritik „Knock Knock“

Ein Blick in die Nutzerbewertungen der Internet-Movie-Database verheißt nichts Gutes. Es hagelt nur so Verrisse. Auch die Durchschnittsbewertung von derzeit 5,0 verheißt keinen Spitzenfilm.

Rot ist das neue Schwarz (Foto: SquareOne/Universum)

Ganz klar: Das ist er auch nicht. Für Eli Roth typisch, benötigt der Streifen zunächst einmal eine gewisse Anlaufzeit. Die Bösartigkeit der Damen entwickelt sich sehr langsam. Was daraus entsteht, ist ein haarsträubendes Katz-und-Maus-Spiel. Dabei hat der Film vordergründig nicht viel mit einem Horrorfilm gemein, wird aber häufig als solcher feilgeboten. Das ist ein Fehler, denn genau diese falsch aufgebaute Erwartungshaltung hat zum Teil zu den Verrissen geführt. Es gibt allerdings auch weitere Schwächen, die sich leicht hätten beseitigen lassen. Um die Lücken in der Geschichte zu füllen, fehlen lediglich ein paar Dialogsätze – oder eben noch weitere zwei bis drei Minuten Exposition. So erfahren wir etwa rein gar nichts über die furchtbar bösen Mädels und ihre Motive. In dieser Konstruktion erscheint das Ganze somit eher wie ein Torture-Porn-Movie anstatt ein Horrorfilm oder gar Psychothriller.

Letztlich dürften sich einige Zuschauer am Verlauf der Story verschlucken. Wir sind es gewohnt, dass der so arg geschundene Protagonist kurz vor knapp zur Wildsau mutiert und seinen Peinigern gewaltig die Hintern versohlt. Darauf waren wir hier vergebens. Stattdessen starren wir ratlos auf die Zerstörungswut der beiden Mädels und auf die hilflose Passivität des Protagonisten, der sich ständig demütigen lässt.

Was für den Film spricht, sind hingegen ein gewisses Maß an Spannung und die unglaubliche Wut, die wir sowohl auf die durchgeknallten Frauen, als auf den erschreckend passiven Helden empfinden. Ab der zweiten Hälfte ist der Streifen damit keineswegs langweilig. Auch der teilweise etwas schräge Humor und die Leistungen der Hauptdarsteller überzeugen hinreichend.

Die Versionen

Der Film ist relativ arm an physischer Gewalt. Die ausgeübte sexuelle Gewalt und der dargestellte massive Psychoterror schienen die FSK nicht sonderlich erschrocken zu haben. Somit gibt es nur die 99-minütige Version ungeschnitten ab 16 Jahren zu bestaunen.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Bösartiges Kammerspiel mit gemeinen Szenen und Handlungsverläufen, aber Mängeln in der Geschichte. Schade.

Bewertung: 3/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Knock Knock"

Über den Autor Angus Sc.

Seine Affinität zu Horrorfilmen hatte er bereits in früher Jugend entdeckt. Daraus resultiert seine Vorliebe für Horrorklassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern.
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