Filmkritik Bewertung: 2/5 SterneKiller Sofa – Nimm gerne Platz

Na Sofas

Nicht zuletzt seit Kings „Christine“ oder Cronenbergs „Videodrome“ wissen wir, es benötigt keinen Organismus um Menschen auf mannigfaltige Art und Weise den Arsch bis zum Stehkragen aufzureißen. Doch auch weniger imposante Objekte können durchaus ein attraktives Ziel einer dämonischen Präsenz sein. Das beweist uns in ebenso wenig imposanter, dennoch charmanter Art und Weise Queerdenker Bernardo „Bernie“ Roa. In seiner neuseeländischen Horrorkomödie „Killer Sofa – Nimm gerne Platz“ von 2019 bekommt ein recyceltes Polsterelement ein überraschend charismatisches Eigenleben.

Die Geschichte

Gestatten Bernd, das Brot ... ähm Sofa (Foto: Daredo/Soulfood)

Gestatten Bernd, das Brot … ähm Sofa (Foto: Daredo/Soulfood)

Die schöne Francesca hat es nicht leicht im Leben: Männer erliegen ihr bedingungslos und drehen dann auch gern mal am Rad. Ihr aktueller Lover T.J. jedoch ist ein angenehmer Typ und trägt ihr sogar den gelieferten Vintage-Sessel hoch in die Wohnung – ein Schatz. In einer abendlichen Wellness-Stunde rekelt sich die galante Francesca ausgelassen in ihrem fraglich dekorativem Neumobiliar. Als sie nach seicht erotischen Träumen erwacht, erwartet sie zur Krönung dessen ein liebevolles Frühstück in sanftem Kerzenschein. Doch nicht T.J. hat es inszeniert. Scheinbar hat auch unser Federkernfreund das Francesca-Fieber erwischt.

Parallel ist der Großvater ihrer besten Freundin, seines Zeichens Rabbi mit übersinnlichen Gaben, massiv beunruhigt. Bei Berührung des muffigen Lehnstuhls durchfahren ihn unheilvolle Visionen. Leider benötigt die Erkenntnis etwas Zeit – Zeit in der unser Knautschfreund beginnt seine Vitalität und Eifersucht tödlich auszuleben. T.J. ist dabei natürlich der erste Konkurrent und damit Nummer eins auf der Liste.

Pediküre mit Sofa (Foto: Daredo/Soulfood)

Pediküre mit Sofa (Foto: Daredo/Soulfood)

Das örtliche Police Department ist hier ebenfalls im Spiel, da Francescas Ex nur in Stücken auffindbar war, und scheinbar in dämonische Rituale verwickelt war. Auch Francesca wird ins Kreuzverhör genommen, um den Tod aufzuklären: „Ich habe einfach diesen Effekt auf Männer! Die werden einfach verrückt oder sowas…“

Trotz seines arglosen Äußeren, entwickelt sich nun das liebestolle Sitzelement zu einem skrupellosen Serienkiller – mit messerscharfer Präzision und nicht sichtbaren, dennoch katzenhaften Reflexen beginnt die Jagd auf alles was ihm im Wege steht. Dabei wird es zunehmend erfinderischer.

Filmkritik „Killer Sofa – Nimm gerne Platz“

Erst (Pullover-) Muster, dann (Sofa-) Monster (Foto: Daredo/Soulfood)

Erst (Pullover-) Muster, dann (Sofa-) Monster (Foto: Daredo/Soulfood)

Nach diesem Filmgenuss muss man erstmal ganz tief durchatmen und sicherstellen, dass noch alle Synapsen an der richtigen Stelle sitzen. Denn hier haben wir ein ganz absonderliches Perlchen neuseeländischer Filmkunst. Nach „Black Sheep“ und „Deathgasm“ ist man aus dieser Ecke im Bereich das absurd-komischen Horrors schon sehr positiv überrascht worden. Bernie Roa wollte hier auch sicher nicht anknüpfen, dafür ist er – sagen wir zu sehr er selbst.

Positiv vornweg: wir haben einen Sessel, der trotz seines altersbedingten Zustandes locker den Liebreiz einer Vollkorn-Variante von Bernd das Brot erreicht. Die Stimmung ist zu jeder Zeit ernst und bemüht, was den Momenten, in denen unser passioniertes Sesselchen in Action kommt, unweigerlich ein fast epileptisches Lachen entlockt. Denn diese sind immer überraschend, hochgradig absurd und kollidieren herrlich mit dem knautschigen Unschuldsgesicht der liebeskranken Sitzgelegenheit.

Ein Sofa sieht Rot (Foto: Daredo/Soulfood)

Ein Sofa sieht Rot (Foto: Daredo/Soulfood)

Hinzu kommt mit Fortschreiten des Filmes eine gewisse Tiefe zum dämonischen Hintergrundwissen. Dieses zieht jedoch, gemessen an der eigentlichen leichten, humoristischen Linie, an der Produktion vorbei und sorgt eher für Verwirrung. Auch die hintergründige Ermittlung der polizeilichen Ermittler macht Sinn. Sie ist jedoch zu ausformuliert, um hier den Fluss aufrecht zu erhalten. Hätte Regisseur und Drehbuchautor Bernie Rao etwas Entspannung walten lassen, dann könnte sich „Killer Sofa“ locker neben „Tucker & Dale vs Evil“ und „Zombiber“ als gute Horrorkomödie einreihen. Logik, Sound, Effekte und dass Francesca die Klobrille nicht runterklappt, lässt einen hier leider etwas die Konzentration verlieren.

Dennoch, wer schon immer sehen wollte, wie ein wirklich niedlicher Sessel zum Psycho wird, und ebenso herzhaft lachen kann, wenn ein Couchelement mit zwei Knöpfen hitchcockmäßig durch ein dunkles Fenster stiert, der wird hier ein paar nachhaltige schöne Eindrücke gewinnen.

Die Versionen

Das Killersofa ist was es ist – 80 kuschlig-wahnsinnige Minuten zwischen Knopfauge und Knochenbruch, zwischen ausklappbar und ausgesprochen tödlich. FSK 16 ist vollkommen angebracht, da es eher vergleichsweise seicht zur Sache geht. Und da es hier kaum an Varianten mangelt, gibt es hier noch ein paar weitere Versionen aus dem Genre Furniture-Freakout: Bed of Death (2016), The Amoire (2017), The Couch (1962), Mirrors (2018), Der Kühlschrank (1991), Toilet 105 (2010), Deathbed (2002) … viel Spaß!

Das Urteil von Horrormagazin.de

Die Horrorkomödie „Killer Sofa“ hat viel richtig gemacht, aber das Meiste falsch. Dennoch dürfte es wenige Filme geben, bei denen man so wahnwitzige Momente erfährt wie in diesem Streifen. Ich empfehle ihn zwingend Menschen mit Toleranz zur Qualität und Liebe zur Absurdität. Daher freue ich mich mit leicht zuckendem Auge auf das neue Projekt von Bernie Roa: „9 Toilets to Heaven“. Sicher auch keine Sitzempfehlung.

Bewertung: 2/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Killer Sofa – Nimm gerne Platz"

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Über den Autor Mallory Knox

Schon von Klein auf kitzelte Mallory Knox das künstlerisch Spezielle. Filme hatten dabei immer einen besonderen Stellenwert. Nicht zuletzt durch die Ästhetik Cronenbergs verfiel sie dem Genre restlos und gibt jetzt schreibwütig ihren Senf dazu.
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