Filmkritik Bewertung: 2/5 SterneIch seh, Ich seh

Horror made in Austria

Rumtoben im strömenden Regen, 50 Euro dem Roten Kreuz spenden und die eigene Mutter mit Sekundenkleber mundtot machen – in diesem österreichischen Horrorthriller soll das alles irgendwie zusammenpassen. Wer’s mag.

Die Geschichte

Mama sieht nicht nur komisch aus, sie verhält sich auch so (Foto: Koch Media)

Elias (Elias Schwarz) und Lukas (Lukas Schwarz) sind Zwillinge. Die beiden Zehnjährigen wohnen mit ihrer Mutter (Susanne Wuest) in einem modernen Haus, abgelegen am Waldrand. Doch als ihre Mutter eines Tages aus dem Krankenhaus zurückkommt, ist sie sehr schweigsam und kühler als vorher. Wie eine fremde Person. Und das liegt nicht nur an der gruseligen Gesichtsbandage, die sie an diesem Tag trägt.

Die Zwillinge bezweifeln, dass das noch ihre richtige Mutter ist. Sie erkennen sie einfach nicht mehr wieder. Als Beweis finden sie ein altes Foto, auf dem ihre Mutter mit einer Zwillingsschwester zu sehen ist. Nach einigen Streitereien versuchen die beiden Hilfe beim hiesigen Pfarrer zu finden. Weil das nicht klappt, eskaliert die Lage und Elias und Lukas fesseln ihre Mutter kurzerhand am Bett. Sie stellen sie zur Rede. Doch weit kommen sie damit nicht.

Filmkritik „Ich seh, Ich seh“

Neulich zu Halloween (Foto: Koch Media)

Dass es sich bei „Ich seh, Ich seh“ um keinen Standard-Horrorthriller handelt, merken wir schon am Anfang. Aktion, Spannung, Kurioses? Fehlanzeige! Durch die langsamen Kamerafahrten und die monotonen Bilder baut sich eine bestimmte, subtile Art von Spannung auf. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, denn dadurch braucht der Film lange, bis er in Fahrt kommt. Eine Geduldsprobe sozusagen.

Eine weitere Geduldsprobe erwartet uns bei den Dialogen. Aufgeschrieben kommt man vielleicht auf eine halbe Din-A4-Seite. Sie sind minimal gehalten und werden durch den österreichischen Dialekt leider nicht besser. Dadurch achtet man mehr auf die Darsteller und das Drumherum als auf die Geschichte. Glücklicherweise ist es dem Regieduo Veronika Franz und Severin Fiala trotzdem gelungen, eine bedrückende und befremdliche Atmosphäre zu erschaffen. Man könnte das auch eine echte Arthouse-Hommage im Stil eines Stanley Kubrick nennen.

Wer stört? (Foto: Koch Media)

Was uns aber tatsächlich fehlt, sind schlicht und ergreifend ein paar richtige Nervenkitzelmomente. Das hätte dem Ganzen die nötige Würze gegeben. Auch die eigentlich gar nicht so schlechte Pointe reißt es am Ende nicht mehr raus.

Zum Beispiel gibt es eine Szene, in der Mitarbeiter vom Roten Kreuz wegen einer Spende vorbeikommen. Da wurde eine dicke Chance vertan, die Spannungskurve einmal kräftig nach oben zu treiben. Auch der Moment, wenn die Zwillinge eine ihr zugelaufene Katze im Keller suchen, bleibt ohne nachhaltige Bedeutung. Selbst eine Szene, in der der Mutter der Mund mit Alleskleber zusammengeklebt und anschließend mit einer Nagelschere aufgeschnitten wird, hört sich schlimmer an, als es die Bilder zeigen wollen.

So bleibt ein großer Haufen Kunst, aber nur wenig echter Thrill. Cineasten mögen das mögen, wir schlafen dagegen friedlich ein.

Die Versionen

Wenig tatkräftige Gewalt und nur etwas Blut – die FSK hat den Film ab 16 Jahren durchgewunken.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Avantgarde-Film trifft Horror, aber der will nicht so richtig aus seinem Dornröschenschlaf kommen.

Bewertung: 2/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Ich seh, Ich seh"

Über den Autor Ash Williams

Vor Jahren hat er sich noch vor Horrorfilmen gegruselt. Naja, vielleicht so ein bisschen. Jetzt schaut er sie jedenfalls mit ganz anderen Augen. Je länger er sich mit diesen Filmen auseinander setzte, desto mehr faszinierten sie ihn.
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