Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneBrightburn: Son of Darkness

Brandgefährlich!

Die Pubertät – ein wahrlich schauriges Kapitel auf dem Weg zur Geschlechtsreife: Die Hormone spielen verrückt und Haare sprießen an unvorteilhaften Körperregionen. Stimmen flüstern dir ein, du musst die Welt zerstören und deine plötzlich erwachenden Superkräfte unterstützen das überraschend gut. Ja, so kennen wir es – aber Moment! Das hatte Dr. Sommer so aber nicht besprochen. Klar, denn in „Brightburn: Son of Darkness“ von Newcomer David Yarovesky ist unser Puber-Teen kein pickelgeplagtes Erdenkind, als vielmehr eine Killerbrut „from out of space“. Es ist eine Art Smallville für Splatterfans und stammt aus der Feder von MCU (Marvel Cinematic Universe) und Mastermind James Gunn. Wem das etwas suspekt vorkommt, sollte offen sein für Neues. Es lohnt sich hier „brennend“!

Die Geschichte

Es ist ... ein Superbaby! (Foto: Sony Pictures)

Es ist … ein Superbaby! (Foto: Sony Pictures)

Tori (Elizabeth Banks) und Kyle Breyer (David Denman) leben auf einer imposanten Farm in Brightburn und haben trotz maximaler Motivation Probleme mit der Fortpflanzung. In einer Nacht, als der Zweck fast die Romantik tötete, stürzt ein Meteor auf ihr Gelände. Tori sucht, ungeachtet aller Risiken den außerirdischen Auswurf mit sich bringen könnte, die Raumkapsel und entdeckt darin ein menschenähnliches Kleinkind. Ohne ernsthafte Zweifel versteckt sie die Kapsel kurzerhand in ihrer Scheune und adoptiert das Space-Baby als ein „Geschenk des Himmels“.

Die Familie wiegt sich in Glück und Zufriedenheit, bis der hochintelligente Neuankömmling Brandon (Jackson A. Dunn) sein zwölftes Lebensjahr erreicht. Weil er in der Schule unter anderem mit makabrem Fachwissen über Brutparasiten glänzt, wird er schnell zur Zielscheibe für Mobber. Glücklicherweise verteidigt ihn seine Mitschülerin Caitlyn (Emmie Hunter), was ihm leider mit negativen Folgen positiv in Erringung bleiben wird.

Die Nächte in diesen verwirrenden Zeiten sind ebenfalls auffällig unruhig für den testosterongeplagten Breyer Jr.: Die verborgene Raumkapsel glüht nachts blutrot auf und beschert Brandon epileptische Anfälle. Fremde, kryptische Stimmen paralysieren ihn und lassen ihn Schlafwandeln. Am Tag darauf bekommt ein Rasenmäher eine unverhoffte Fernflugstrecke spendiert, als Brandon beherzt die Motorleine zieht. Mit einem Griff in die sich noch immer drehenden Rotorblätter beweist er – ich bin überlegen!

Mhmm, tut eigentlich gar nicht weh (Foto: Sony Pictures)

Mhmm, tut eigentlich gar nicht weh (Foto: Sony Pictures)

Mit dem Erwachen seiner Kräfte, ist ein Aufklärungsgespräch seines Vaters leider ein komplettes Fiasko: „Bei Mädchen ist es ok, dem Druck ab und zu nachzugehen“. Ein No-Go für Darwin, ein Go-Go für Brandon. Dank seiner erwachenden Macht manipuliert und verschreckt er nun die gutherzige Caitlyn, die kurz darauf durch einen Händedruck im Sportunterricht von ihm verstümmelt wird.

Jegliche Konsequenzen seines Verhaltens ufern von nun an in extreme Brutalität aus. Alle Menschen, die ihm annähernd im Weg stehen, müssen mit massiven Eindrücken rechnen. Brandon ist sich seiner Fettnäpfchen durchaus bewusst, aber statt eines diplomatischen „sorry“ bekleidet er sich mit einem trashigen Umhang und macht mal so richtig klar, wer hier die Socke auf dem Kopf hat.

Filmkritik „Brightburn: Son of Darkness“

Eskalation – das ist der simple und dennoch knackige Mittelpunkt in „Brightburn: Son of Darkness“. Und tatsächlich ist auch dieses Konzept, trotz Strumpfkopfkostüm und pubertärem Superboy ergreifend aufgegangenen. Als Horrorfilm-Enthusiast war das Marketing auf Grund dieser Optik eher abschreckend. Zu Unrecht wie ich finde, denn der gute Bright-Brandon macht absolut keine Gefangenen. Jedenfalls keine, die noch einen Puls haben.

Mal mit Maske (Foto: Sony Pictures)

Mal mit Maske (Foto: Sony Pictures)

Zu verdanken haben wir dieses Superhero-Splatter-Spektakel dem Produzenten James Gunn, der uns im Marvel Cinematic Universe (eigenständige Produktionen von Marvel Studios „basierend“ auf den Comics) schon mit „Guardians of the Galaxy“ (2014/ 2017) und „Suicide Squad“ (2021) wirklich anständig unterhalten hat. Sein Bruder Brian Gunn und Cousin Mark Gunn haben im Drehbuch auch viel aufgearbeitet. Familienwirtschaft im Gunn-Gunn-Style sozusagen. Dennoch wurde Frischling David Yarovesky („Nightbooks“ 2021) in die Regie berufen, was ihm garantiert viel Rückenwind und Erfahrung in Sachen handfestem Horror beschert hat.

Die Produktion wurde mit Elizabeth Banks grandios unterstützt. Sie ist hier natürlich der Quotentiger. Hauptsächlich bekannt durch Comedy- und Nebenrollen („Mädelsabend“, „Pitch Perfect 1/2/3“, „The Happytime Murders“ oder „Die Tribute von Panem 2012-2015“) ist sie jedem Filmfan mittlerweile in einem respektablem Spektrum bekannt. Ihre Performance als klammernde Mutter, die die Boshaftigkeit ihres „Geschenkes“ nicht wahrnehmen möchte, ist überzeugend und fesselnd.

Absoluter Herzensdarsteller ist natürlich Matt L. Jones, der jedem „Breaking Bad“-Fan vertraut ist. Sein marginal präsenter Charakter und die extrem explizite Szene seines Todes, machen seine phänomenale Kieferdemolage zum starken Schlüsselpunkt des Films.

Und einmal ohne Maske (Foto: Sony Pictures)

Und einmal ohne Maske (Foto: Sony Pictures)

Der liebe Exekutor vom Fach, Bright-Brandon (Jackson A. Dunn), scheint schon fast unbedeutend, angesichts seiner starken Kollegen und des hohen Splatter-Niveaus seiner Einsätze. Dennoch transportiert er eine klare Aussage, die den ambivalenten Charakter zwischen vertrautem Sohn und Gewaltverkörperung angenehm einfängt.

Allein schon die durch die populäre Besetzung und dem relativ fachfremden Regisseur ist „Brightburn“ kein gewöhnlicher Horrorfilm. Er verknüpft die Hochglanzproduktion eines MCU-Filmes mit dem Aufbau und der Eskalation eines Klassikers wie „Das Omen“ (1976) und zelebriert dabei eine bemerkenswerte Liebe zur körperlichen Zerstörung.

Zusammenfassend ist „Brightburn:  Son of Darkness“ sauber produziert. Ein wenig Drama, ein wenig interpersonelle Konflikte zwischen Junge und Mann, zwischen Liebe und Tötungsdrang. Aber lassen wir die Metaebene einfach mal sein was sie ist: Ein Junge der am Ende die ganze Bude abreißt. Und das macht er so gut, dass es verdammt viel Spaß macht, ihm dabei zuzusehen.

Die Versionen

Brandon Breyer macht dir die Hölle heiß und das in absolut souveränen und ungeschnittenen 90 Minuten. Dabei kommt er mit expliziten Inhalten auf eine fragliche FSK-16-Einstufung. Für unsere britischen Nachbarn gab es durchaus eine zensierte Fassung, da dem BBFC (Brititsh Board of Film Classification) bei dem Maß an Gewalt vermutlich zu Recht der Tee überkochte. Für den Rest unseres blauen Planeten heißt es feierlich: Möge es Blut regnen und Kiefer wegfegen. Aber ganz rational betrachtet, ist hier die 18er Grenze empfehlenswert.

Das Urteil von Horrormagazin.de

„Brightburn“ ist mit Abstand sicher kein Meisterwerk, aber James Gunn weiß einfach was Spaß macht. Ein Horror-Science-Fiction-Splatter in dem eine Superman-Phantasie zum Alptraum wird. Radikal und ohne Hollywood-Schleier gibt es hier viele grandiose Momente, die so manchen Genrefan tief beeindrucken werden. Mit einem Plus von 19 Millionen ist ein Sequel sehr wahrscheinlich und ich freu mich drauf wie ein Teeny auf sein erstes Date. Dafür 4 glatte Kieferbrüche!

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Brightburn: Son of Darkness"

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Über Mallory Knox

Schon von Klein auf kitzelte Mallory Knox das künstlerisch Spezielle. Filme hatten dabei immer einen besonderen Stellenwert. Nicht zuletzt durch die Ästhetik Cronenbergs verfiel sie dem Genre restlos und gibt jetzt schreibwütig ihren Senf dazu.
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