Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneAntebellum

Die gute alte Zeit ist nicht für jeden gut

Ein Blick zurück ist oft mit wehmütigen Gefühlen verbunden. Was aber, wenn diese unangebracht sind? Gerard Bush und Christopher Renz zeigen im Horrorthriller Antebellum, dass solche Regungen auch eine Sache der Perspektive sind.

Die Geschichte

Nein, wir haben niemanden vergessen (Foto: Leonine)

Nein, wir haben niemanden vergessen (Foto: Leonine)

Ein lauer Sommerabend im Süden der Vereinigten Staaten und ein properes Anwesen. Der Blick fällt auf eine Hausherrin, die im Vorgarten sichtlich entrückt durch die Reihen ihrer durchweg schwarzen Bediensteten lustwandelt. Etwas weiter befindet sich ein Lager der Konföderierten Armee. Ist das die Zeit vor oder während des amerikanischen Bürgerkriegs?

Doch damit ist die Erkundung des Terrains noch nicht vorbei. Wir sehen eine Plantage und Menschen, die Baumwolle pflücken. Das jedoch ist eine absurde Tätigkeit, denn die Ernte wird sogleich vor aller Augen verbrannt. Hier ist es mit der aufgekommenen Südstaatenromantik vorbei. Auf diesem Anwesen werden dunkelhäutige Menschen versklavt. Reden ist verboten und ein aufgeschnapptes Tuscheln wird von übellaunigen weißen Aufpassern drakonisch bestraft. Noch schlimmer ergeht es denen, die zu fliehen versuchen. Das ist die grässliche Welt von Eden, die von der amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe gespielt wird.

Schnitt und Szenenwechsel. Eine Frau wacht erschreckt auf. Es handelt sich offenbar um dieselbe Person, nur dass sie jetzt Veronica heißt und in der Gegenwart lebt. Sie ist Bestsellerautorin und stellt auf einer Veranstaltung ihr neues Werk vor. Doch die Lesereise ist unangenehm. Das schnieke, schicke Hotel erweist sich als mies, weil sie aufgrund ihrer Hautfarbe schlechter behandelt wird als andere. Und in einem Restaurant geht es mit dem unterschwelligen Rassismus munter weiter.

Filmkritik „Antebellum“

1 und 2, wer kommt hier vorbei? (Foto: Leonine)

1 und 2, wer kommt hier vorbei? (Foto: Leonine)

Wie hängen die beiden Handlungsstränge zusammen? War die gezeigte Vergangenheit nur ein Alptraum? Wird die Hauptfigur im Schlaf in eine andere Zeit geschleudert oder labt sich hier gar ein Dämon genüsslich am Leid seines Opfers? Gute Fragen, auf die es befriedigende Antworten gibt. Das geschieht auch mithilfe eines besonderen Twists, der dann vieles in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Gerard Bush und Christopher Renz führen hier nach einem eigenen Drehbuch packend Regie und spielen gekonnt mit Mystery- und Horror-Elementen. Sie verbeugen sich in einer Szene sogar vor Kubricks „Shining“ und beweisen, dass Kinder in düster-muffigen Hotelkorridoren ganz schön unheimlich sind. Hier ist es ein einzelnes Mädchen.

Trotzdem scheint dem Film ab der Mitte ein wenig die Luft auszugehen. Die aufkommende Unzufriedenheit und Irritation sind aber darin begründet, dass die Regisseure nicht vorhatten, uns schaurig-wohlig zu schocken oder mit spritziger Action auf Trab zu halten. Wir bekommen stattdessen etwas anderes: eine fiese, erschreckende aber spannende Geschichte um Rassismus und Menschenhass.

Guten Tag, ich verkaufe nichts, aber rette Leben (Foto: Leonine)

Guten Tag, ich verkaufe nichts, aber rette Leben (Foto: Leonine)

Der Filmtitel „Antebellum“ ist zusammengesetzt aus den lateinischen Begriffen „ante“ (vor) und „bellum“ (Krieg) und wird in Amerika auch als Ausdruck für eine gute alte Zeit verstanden, die Periode vor dem Sezessionskrieg, bezogen auf die Südstaaten. Außerdem gibt es eine sogenannte Antebellum-Architektur mit Plantagen-Häusern und Villen, die mit ihren hohen Säulen und Giebeldreiecken leicht zu erkennen sind.

Die Versionen

Die 16er FSK passt und ist ungeschnitten. Den Film gibt es DVD, Blu-ray und UHD Blu-ray.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Guter und schön gedrehter Film, der auf den ersten Blick reißerischer sein könnte. Diese Einschätzung verfliegt allerdings, nachdem durch eine unerwartete Wendung die wahre Absicht der Macher deutlich wird.af15e7afaad443c99d1937b806edae7a

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Antebellum"

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Über den Autor Alptruck

Rezensiert seit acht Jahren wieder regelmäßig Filme und Comics. Sein Nickname wurde ihm Ende der 70er zu Punk-Zeiten verpasst, weil er offenbar etwas nervte und Albdruck so ähnlich klingt.
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