Matomo

11.04.2019

Cheap Chops of Horror – Anthologie #1

Cheap Chops of Horror – Anthologie #1

Ob Kriegsschauplatz, auf dem es übernatürlich zur Sache geht, Klassentreffen, das mörderisch aus dem Ruder läuft oder Nerd, der zum Triebtäter wird – diese Kurzgeschichten laden ein zur unheimlichen Gedankenreise. Gänsehaut ist programmiert.

Die Handlung

Die Welten, die uns Patrick Peters hier vorstellt, wirken vertraut und zunächst auch geschützt. Doch nach wenigen Absätzen wird klar, dass sie tückisch sind und von Horror und knisternder Spannung regiert werden.

Zum Beispiel die des pflichtbewussten Polizisten, der sich nicht zu Unrecht wie im falschen Film fühlt: „Dort, wo sich die Kugel in die Stirn bohrte, entstand lediglich eine kreisrunde Öffnung, aus der Funken sprühten. Anstelle des Gehirns war durch das Loch eine Aneinanderreihung von zerstörten Platinen und winzigen Computerchips zu erkennen“ (In der Geschichte „No Life No Choice“).

Oder die des gewöhnlich aussehenden Hotelzimmers, das sich für seine Gäste als hungrige, architektonische Venusfliegenfalle entpuppt; ohne Möglichkeit zu entkommen („Third Roommate“). Willkommen in Peters‘ persönlicher Twilight Zone.

Buchkritik „Cheap Chops of Horror Anthologie #1“

Cheap Chops of Horror - Anthologie #1 (Cover: Patrick Peters)

Cheap Chops of Horror – Anthologie #1 (Cover: Patrick Peters)

Die vorliegenden elf Geschichten sind spannend und dank des stimmigen Vorworts findet man sich sofort zurecht: „An manchen Stellen werden geschichtliche Ereignisse anders dargestellt, als du sie kennst. Und trotzdem ist alles wirklich passiert. In einer anderen Realität.“

Die Storys sind gruselig und teilweise recht rigoros. Etwa „Front A La Carte“, in der das Lächeln eines Soldaten zerplatzt, weil ihn ein Schrapnell mitten ins Gesicht trifft, ein anderer aber auf wundersame Weise überlebt, weil sich die Wunden von selbst wieder schließen. Aber ist das gut oder schlecht? Was ist da entstanden, ein Werwolf oder ein Mutant? In dieser Form lässt man sich das Grauen gerne gefallen: mal brachial, mal subtil und gerne auch blutig.

Kurz sind sie alle, die Geschichten, die hier vereint sind. Doch vor allem in seinen kürzesten Texten läuft Peters zur Hochform auf. Bringt seine Absichten und Phantasien auf jeweils knapp zehn Seiten so treffsicher auf den Punkt, dass zusätzliche Passagen überflüssig sind.

Den Unterschied merkt man erstmals in dem etwa doppelt so langen „Man vs Dog“, in dem ein Vierbeiner verzweifelt nach seinen Besitzern sucht und dabei brutale Abenteuer besteht. Das Ganze ist im Grunde sehr gut, doch nach wenigen Seiten kommt eine gewisse Unruhe auf. Was sollen die Ausschweifungen? Wann gibt es endlich das Finale? Verblüffend, dass so wenige Seiten so einen Unterschied machen.

Erstaunlich ist auch, dass die meisten der vorliegenden Geschichten englisch betitelt sind. Auf Nachfrage (und ausdrücklich: ohne ein nationalistisches Fass öffnen zu wollen) sagt er hierzu: „Ich finde, englische Titel passen zu Horror/Splatter/Trash oftmals besser. Die Originaltitel von namenhaften englischsprachigen Autoren oder Filmen finde ich viel eindringlicher, aussagekräftiger und wohlklingender als die deutsche Übersetzung.“

Die Versionen

Die Anthologie gibt es als Taschenbuch (9,99 Euro) und als E-Book (2,99 Euro). Außerdem kann man die Erzählungen einzeln laden (0,99 Euro). Darüber hinaus gibt es die Kurzgeschichte „Kill the Bloody Ghosts“ vertont auf YouTube, gelesen von Charles Rettinghaus, der nicht nur die deutsche Stimme von Negan aus „The Walking Dead“ ist, sondern auch die Standardsynchronstimme von Jamie Foxx und Jean-Claude Van Damme.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Autor Peters drückt aufs böse Gaspedal. Hoffentlich gibt es bald mehr von dem Stoff.

Über den Autor Alptruck

Rezensiert seit acht Jahren wieder regelmäßig Filme und Comics. Sein Nickname wurde ihm Ende der 70er zu Punk-Zeiten verpasst, weil er offenbar etwas nervte und Albdruck so ähnlich klingt.
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