24.08.2010

Evergreens, die schönsten Klischees aus Horrorfilmen

Evergreens, die schönsten Klischees aus Horrorfilmen

Und täglich grüßt das Monstertier – welche Szenen in Horrorfilmen immer wiederkehren und mitunter ziemlich nerven. Das ganze Kino stöhnt: „Nun mach ihn doch endlich kalt.“ Aber es nützt nichts. Es ist immer wieder dasselbe: Der Sympathieträger hat den Bösen endlich überwältigt, bringt es aber einfach nicht zu Ende.

Nun tu’s endlich

Keine gute Idee: Die Flucht nach Oben (Foto: Martin Schaffer / Fotolia)

Eine hirnverbrannte Einstellung, wie wir sie bis zum Exzess beispielsweise in „Scream 2“ und „Wrong turn“ ertragen mussten. Warum macht das Hühnchen in „Scream 2“ den maskierten Killer nicht endgültig fertig? Der hatte so friedlich in seinem Auto geschlafen. Warum sucht sich die Heldin in „Wrong turn“ nicht eine Schaufel oder Spitzhacke, um den ebenfalls pennenden Hinterwäldler abzufertigen. Sie hätte alle Zeit der Welt gehabt. Doof bleibt einfach doof.
Nerv-Faktor: Hoch, es tut einfach weh und juckt uns in den Fingern

Bei Fuß

Eine Variante des ersten Themas ist folgende Szene: Das Böse liegt niedergestreckt auf den Dielen. Der Held schleicht sicht vorbei, und plötzlich packt das Totgeglaubte den Schleicher am Knöchel. Immer wieder gut für einen kleinen Schreckmoment. Meist hilft Treten oder Abhacken.
Nerv-Faktor: Gering, immer wieder spannend

Weg nach Oben

Okay, in alten Mantel-und-Degen-Filmen war es ja noch ganz schick, wenn die beiden Fechtenden Stufe für Stufe empor stiegen. Schließlich konnten wir sie anschließend prächtig auf einer Mauer gegen den blauen Himmel gefilmt bewundern. Aber im Horrorfilm bringt das ja mal herzlich wenig. Warum also immer wieder der Sturm auf die Schindeln? Und anschließend die Erkenntnis: Scheiße, da oben geht es ja gar nicht weiter!
Nerv-Faktor: Hoch, es tut einfach nur weh

Der Blick in den Spiegel

Verdammt, krieg ich da immer einen Schreck! So läuft das immer wieder: Der Spiegel ist lange Zeit nicht zu sehen, der Held blickt auf, die Kamera auch, und hinter ihm steht plötzlich jemand Böses. Sehr schön gemacht in der Abschlusssequenz von „Candyman’s Fluch“ und in so ziemlich allen „Nightmare on Elm Street“-Filmen. Auch in „Ghost Ship“, nur hatte sich da das Spiegelbild des Helden selbst verändert. Irgendwie ist der Spiegeltrick schon abgedroschen, aber noch immer äußerst erschreckend.
Nerv-Faktor: Niedrig, einfach shocking

Horch, was läuft von drinnen raus (Foto: Andreas Gradin / Fotolia)

Untote Mundhygiene

Kennen Sie das auch? Da öffnet der Zombie seinen Mund, und heraus läuft eine trübe oder schwarze Flüssigkeit. Zu bewundern in Michael Jacksons Video „Thriller“ und fast jedem Zombiefilm. Was mag das sein? Hat der untote Kumpel zuvor einen Schluck aus dem Golf von Mexiko genommen? Läuft ihm das Gehirn durch die Fleischluke? Oder hat er nur mal aufgestoßen? Wir wissen es nicht, empfehlen aber einen Besuch beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt.
Nerv-Faktor: Nicht vorhanden, einfach nur cool

Die dumme Frage

Auch immer wieder schön: Jemand geht ängstlich in einen dunklen Raum, in dem ganz offensichtlich das Böse lauert, und fragt: „Hallo, ist da jemand?“ Was sollen denn Jason Voorhees oder seine mordenden Kollegen auf diesen Geisteserguss antworten? „Ich bin’s, Michael Myers. Kannst mich aber auch Michi nennen“, vielleicht? Oder sie fühlen sich ertappt, ergeben sich und liefern brav ihre Waffen ab. Das wäre aber selbst für einen Horrorfilm viel zu absurd.
Nerv-Faktor: Trotz Blödheit nur mittel, denn der Fragende stirbt meist kurz darauf

Tödliche Nummer

Merke: Wer im Horrorfilm eine heiße Nummer einlegt, ist anschließend ziemlich schnell ziemlich kalt. So spießte Jason Vorhees in „Freddy vs. Jason“ gleich zweimal ein kopulierendes Pärchen auf. In Stephen Kings „Creepshow 2“ war die Nummer auf dem Floß gleichzeitig das Ende, und in „Scream“ erledigte Neve Campbell ihren Begatter anschließend höchst selbst. Und da sage noch einer, Sex sei gesund. Seltene Ausnahme: Die rammelnden Zombies in „Braindead“ – denn die waren schon tot.
Nerv-Faktor: Nur wenn es amerikanischer Blümchensex ist

Der Fremde im Bett

Zuviel Sex (Foto: mexxceion / Fotolia)

In „End of days“ war es ein geköpftes Huhn, in „Drag me to hell“ die schrunzelige Zigeunerin und wenn tatsächlich einmal nur der Ehemann neben der Heldin im Bett friedlich schnorchelt, kriegen wir schon darüber beinahe einen Schreck. Szenen, in denen jemand zu Bett geht, dräuen meistens Unheil. Nur selten liegt die gewünschte Person auf der anderen Seite. Kurzer Kontrollblick unter die Decke wirkt manchmal Wunder. Machen die aber fast nie, weil es nicht im Drehbuch steht.
Nerv-Faktor: Niedrig, meistens ist es spannend

Kennt ihr auch solche Szenen? Mailt sie uns! Wir nehmen sie mit rein.

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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