Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneThe Unthinkable

In Schweden passiert das Undenkbare – unbekannte Mächte greifen an

Einem Trio aus Vater, Sohn und dessen Jugendfreundin fliegen plötzlich Autos, Bomben und Kugeln um die Ohren. Und das mitten in Schweden. Achtung: Klingt nach billigem Actionreißer, ist aber ein waschechtes Drama.

Die Geschichte

Pause: Alex guckt mal wieder und denkt nach (Foto: Ascot Elite)

Eines Tages wird es Alex zu viel. Nachdem schon seine Mutter stiften ging, zieht auch er aus dem ländlichen Elternhaus aus und flieht vor seinem jähzornigen Vater. Er geht nach Stockholm und wird dort ein gefeierter Musiker.

Jahre später greift eine fremde Macht Schweden an. Autobomben explodieren, Brücken stürzen ein, Autos rasen ineinander, Menschen verlieren offenbar grundlos den Verstand und tappern wirr in der Gegend rum. Nachdem Alex’ Mutter bei einem Terrorakt stirbt, kehrt er in sein Heimatdorf zurück. Dort trifft er auch Anna wieder, mit der er damals Klavier spielte und für die er auch auf einer anderen Ebene Gefühle hatte und immer noch hat.

Sein Vater hat dagegen ganz andere Sorgen: Der Ex-Soldat arbeitet heute in einem Kraftwerk und fürchtet, dass es jemand angreifen könnte. Leider hat er damit verdammt recht. Damit finden sich Anna, Alex und er plötzlich in einer regelrechten Mischung aus Krieg und Katastrophenszenario wieder. Und finden trotzdem noch die Zeit, ihre Konflikte auszutragen.

Filmkritik „The Unthinkable“

Brücke kaputt: Schweden steht unter schwerem Beschuss (Foto: Ascot Elite)

Ist er das endlich? Der Katastrophenfilm für Anspruchsvolle? Der Gegenentwurf zu Roland Emmerichs Abrissbirnen-Kintopp? Hierauf schon mal ein deutliches Ja. Regisseur Victor Danell gibt sich sichtlich Mühe, genaue Charaktere zu zeichnen, und räumt ihnen und ihren Konflikten viel Platz ein. Sein Film ist mehr Familien- und Gesellschaftsdrama als ein Actionkracher.

Das wird in diesem Ausmaß aber wieder zum Problem. Denn bis die Invasion richtig Fahrt aufnimmt, ist schon eine Stunde Filmlaufzeit vergangen. Und auch dann gibt es immer wieder endlos lange Phasen, in denen die Figuren nachdenken, gucken oder beim Nachdenken gucken. Das bremst den Film stärker aus, als ihm am Ende selbst unter Dramaaspekten guttut.

Schade, denn was Danell ansonsten mit seinem schmalen Budget auf die Beine gestellt hat, ist mehr als beachtlich. Fast durchweg erschafft er eine unglaublich beklemmende Stimmung, die durch ihren Realismus an den Nerven zerrt. Dazu tragen auch die giftigen Kommentare zur politischen Lage und dem Volksbefinden bei. Schließlich verzeichnete auch Schweden zuletzt bei Wahlen einen ziemlichen Rechtsruck.

Alex‘ Papa kennt sich noch aus Soldatenzeiten mit Angriffen aus (Foto: Ascot Elite)

Die dann auftauchenden Actionsequenzen sind wuchtig, kaltschnäuzig, haben rein gar nichts Heroisches und treffen genau deshalb in die Magengrube. Dabei fällt vor allem die äußerst präzise und durchdachte Kameraführung auf. Sie zeigt genau das, was der Zuschauer sehen soll. Im Umkehrschluss erfasst sie Dinge oft bewusst nicht und überlässt sie stattdessen der Phantasie. Diese fast beiläufig erscheinende manipulative Eleganz erinnert an Steven Spielberg zu seinen besten Zeiten.

Doch all das kann das größte Problem des Films nicht übertünchen: Mit Alex wollte Danell vermutlich eine Figur mit Ecken und Kanten erschaffen. Das läuft ihm aber derart aus dem Ruder, dass sein Held am Ende wie ein undurchschaubares Ekelpaket daherkommt. Das senkt die emotionale Bindung zum Film beträchtlich.

Damit sind die hier vergebenen vier Sterne nur noch hauchdünn, werden dem ungewöhnlichen Film aber am Ende trotzdem gerecht.

Die Versionen

Die Stimmung steht im Vordergrund. Sie dürfte in erster Linie dafür verantwortlich sein, dass die FSK den Film ab 16 Jahren freigab. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Bedrückend, beängstigend, beachtlich, aber auch bisschen behäbig – starker Untergangsfilm mit einigen Schwächen.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "The Unthinkable"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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