Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneSweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

…sieht aus wie Johnny Depp und singt und schlitzt sich durchs alte London.

Dieses äußerst englische Horror-Musical von Kino-Magier Tim Burton mit seiner Muse Johnny Depp reicht leider nicht an sein Meisterwerk „Sleepy Hollow“ heran. Sehenswert ist es aber allemal.

Die Geschichte

Meisterschlitzer Sweeney Todd (Johnny Depp) und Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter) haben sich verbündet (Foto: Warner Home Video)

London, Mittelalter, es ist schmuddelig und dunkel – den ganzen Film lang. Mit einem Schiff kehrt der Barbier Sweeney Todd (Johnny Depp) zurück in den Moloch. Er will sich am korrupten Richter Turpin (Alan Rickman) rächen, der ihm einst die Frau wegnahm.

Todd eröffnet einen Barbiersalon, schärft die Klinge und beginnt, sich durch die Londoner Bevölkerung bis zum Richter vorzumetzeln. Die Inhaberin eines Fleischpastetenladens, Mrs. Lovett (Burtons Gefährtin Helena Bonham Carter mit explodiertem Vogelnest auf dem Kopf), hilft ihm, die Leichen zu beseitigen. Prompt kommen die Pasteten mit der merkwürdigen neuen Geschmacksrichtung bei der Kundschaft prima an.

Doch irgendwann läuft die Sache aus dem Ruder, und der hasszerfressene Todd macht Fehler.

Filmkritik „Sweeney Todd“

In Sachen Stimmung und Optik knüpft Meister Tim Burton mit „Sweeney Todd“ nahtlos an seinen Geniestreich „Sleepy Hollow“ an: Nur selten sah London düsterer und zugleich poetischer aus als in diesem Grusical. Fast den gesamten Film über sind die Farben auf ein Minimum reduziert. Leuchtende Töne gibt es nur in Todds Erinnerungen an glückliche Zeiten.

Endlich hat Sweeney den korrupten Richter Turpin (Alan Rickman) auf dem heißen Stuhl (Foto: Warner Home Video)

Das Problem ist die Musik. Zwar machen Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Jungstar Jamie Campbell Bower als Sänger ihre Sache sehr gut. Aber eben nur soweit es die Musik zulässt. Denn „Sweeney Todd“ ist nicht so leichte Kost wie etwa Mozart sondern eher Richard Wagner. Der Film ist fast komplett durchkomponiert, die Lieder sind lang, die Tonfolgen zuweilen schwer verdaulich. Hier entstehen einige Hänger, was eingefleischte Musikkenner aber nicht weiter stören dürfte.

Aber vor allem Theater-Veteran Alan Rickman merkt man seine liebe Not mit den Tönen und die schwache Gesangsstimme deutlich an. Ein anderer Darsteller wäre die bessere Wahl gewesen.

Pluspunkte gibt es dagegen für den (leider viel zu kurzen) Galaauftritt von Sacha Baron Cohen. Der Mann, der uns die Kunstfiguren Borat, Ali G und Brüno bescherte, zeigt einmal mehr seine Klasse. Als zwielichtiger Konkurrenzbarbier Adolfo Pirelli stielt er sogar Depp die Schau. Sprachakrobatik, Mimik, Gestik, witzig sein und dabei auch noch Singen – der Mann kann einfach alles.

Signor Adolfo Pirelli (Sacha Baron Cohen, Mitte) tritt im Schnellrasieren gegen Sweeney Todd an (Foto: Warner Home Video)

Ach ja, und Blut fließt nebenbei auch noch. Nein, zimperlich ist Burton in seinem Horror-Musical wirklich nicht. Wenn Johnny Depp die Klinge wetzt, spritzt es gern in weitem Bogen aus den Halsschlagadern. Das ist aber noch nicht übertrieben, sondern für so einen Film angemessen.

Die Versionen

„Sweeney Todd“ ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Diese Fassung ist uncut. Wir sind aber gespannt, was das Fernsehen draus macht, um den Film zur Primetime zu senden.

Das Fazit von Horrormagazin.de

Düsteres, poetisches Horror-Musical mit ein paar Längen.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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