Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneGhostbusters (2016)

Die Geisterjäger kommen im neuen Jahrtausend an

Was wurde im Vorfeld nicht alles auf diese neue Version der heldenhaften Geisterexperten eingedroschen. Dabei ist der Gruselspaß einfach nur das geworden, was er sein soll: eine Mordsgaudi für alle Junggebliebenen, die gerne mal lachen wollen.

Die Geschichte

Die neuen Geisterjäger bei der Arbeit (Foto: Sony Pictures)

Drei Wissenschaftlerinnen erforschen paranormale Phänomene, fliegen aber von der Uni. Plötzlich melden sich verstärkt Menschen bei ihnen, die Geister gesehen haben. Die drei Damen beschließen, sich als Geisterjäger zu betätigen. Hilfe bekommen sie von einer vierten Frau, die sonst in der U-Bahn arbeitet, dort aber auch etwas spuken gesehen hat.

Nach ersten Erfolgen, bekommen sie Ärger mit dem New Yorker Bürgermeister und der YouTube-Gemeinde. Alle wollen einfach nicht wahrhaben, dass es Geister gibt, die Erscheinungen zunehmen und etwas ziemlich großes die Welt bedroht.

Jetzt müssen sich die vier Damen etwas einfallen lassen, um den Tag noch zu retten.

Filmkritik „Ghostbusters (2016)“

Eine Warnung vorweg: Unverbesserliche Nostalgiker, die schon aus Prinzip nicht von der Meinung abrücken, der neue Ghostbusters-Film sei Königsmord, die lesen hier besser nicht weiter. Alle Aufgeschlossenen sind herzlich willkommen. Natürlich ist und bleibt das Original von 1984 ein toller Klassiker, keine Frage. Aber das lässt die hier vorliegende neue Interpretation nicht automatisch zur Gurke werden. Denn das ist sie nicht.

Geist Gertrude ist mal wieder ziemlich blau (Foto: Sony Pictures)

Stattdessen haben wir es mit einer flotten, actionreichen Komödie zu tun, die für zwei unbeschwerte Stunden prima Unterhaltung bietet. Das ist allerdings nicht der Verdienst von Regisseur Paul Feig („Taffe Mädels“). Der hat zwar schon einige ganz lustige Filme gemacht, ein besonders guter Komödienregisseur ist er aber nicht. Ein David Zucker („Die nackte Kanone“) würde mehr aus dem Stoff rausholen.

Pluspunkte verdient sich der Film dagegen mit den sympathischen und komischen vier Hauptdarstellerinnen, ihren köstlichen Dialogen, einigen gelungenen Slapstick-Momenten, ein paar ziemlich gruseligen Passagen und den unzähligen Anspielungen auf den heutigen Zeitgeist, die originalen Filme und den Rest der Kinowelt. Es war eine gute Idee, Frauen als Helden ranzulassen. Das ist einfach mal erfrischend anders. Und um es gleich zu klären: Ja, die Darsteller aus den alten Filmen tauchen (fast) alle auf.

Die meisten Lacher kassiert allerdings – für Sexismus-Vorwürfe nutzt bitte die Kommentarfunktion – Chris Hemsworth als strohdoofe Tippse Kevin. Wie sich ein Hollywood-Schönling derart hemmungslos zum Vollhorst macht, das hat man wohl seit Brad Pitt in „Burn after reading“ nicht mehr gesehen. Hemsworth liefert eine Galavorstellung mit nie geahnten Qualitäten als Komiker.

Kevin hat seine Bewerbungsfotos mitgebracht (Foto: Sony Pictures)

Und doch kriegen die Geisterjäger nicht alle fünf Sterne. Neben dem blassen Schurken stößt insbesondere wieder Hollywoods Rollenverständnis ziemlich sauer auf: Drei sind weiß, eine ist schwarz und kommt aus der Unterschicht. Und von den beiden Polizisten ist einer schwarz. Alles wie in den Achtzigern, es hat sich nichts geändert.

Zudem hätten die Drehbuchautoren ruhig mal ihren Geist bemühen können, um die Geschichte des Originals zumindest ein bisschen abzuwandeln. Aber nein, auch hier fliegen die Geisterjäger von der Uni, machen sich selbstständig, stoßen auf Unglauben, legen sich mit dem Bürgermeister an und retten die Welt. Nur eben mit Brüsten.

Und dann ist da noch das alte neue Problem von Hollywood: das Finale. Bis dahin halten sich die Pixel-Tricks noch angenehm in Grenzen und sehen fast schon altmodisch schick aus. Sie erreichen glatt den Charme des Originals. Aber gegen Ende soll es dann so richtig losgehen, und Feig zeigt, was die digitale Tricktechnik so draufhat. Das ist zugegebenermaßen eine ganze Menge – in diesem Fall aber wieder einmal zu viel.

Die Versionen

Für jüngere Kinder wären einige Szenen viel zu gruselig, insofern ist die FSK-Freigabe ab 12 Jahren in Ordnung. Auf Blu-ray ist auch eine Extended-Version erschienen, die 16 Minuten länger läuft, aber nicht wirklich besser ist. Es wird viel mehr geredet, sonderlich gute Gags sind aber nicht dabei. Das macht die Langfassung langatmig und irgendwie überflüssig. Schaut ruhig lieber die straffere Kinofassung!

Das Urteil von Horrormagazin.de

Zu Unrecht vorverurteilt: Lustige, rasante Geister-Hatz mit Zeitgeist aber am Ende zu viel Wumms.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Ghostbusters (2016)"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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