Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneExam

Psychokammerspiel aus Großbritannien über ein etwas anderes Auswahlverfahren.

Eine einzige Kulisse, Minibudget und feine Darsteller – mehr braucht Autor, Produzent und Regisseur Stuart Hazeldine nicht, um ein exzellentes Spannungsstück abzuliefern. Nach zwei Jahren erschien die Perle endlich auch bei uns.

Die Geschichte

Neulich beim Arbeitsamt (Foto: Eurovideo)

Acht Kandidaten sind in die enge Auswahl für diesen Job gekommen. Keiner von ihnen weiß so ganz genau, was für ein Job das ist. Nur dass er bei einem der größten und wichtigsten Konzerne der Welt ist, und dass er eine Mörderkohle bringt. Grund genug.

Der große Mann im feinen Dress vor ihnen erklärt die Regeln: Vor jedem liegt ein Blatt Papier mit einer einzigen Frage, auf die es genau eine Antwort gibt. Wer als erster die Lösung findet, hat den Job. Wer den Raum verlässt, die Wache oder das Unternehmen anspricht oder sein Blatt Papier beschädigt, ist raus.

Und los geht’s. 80 Minuten Zeit.

Die Kandidaten wenden ihre Papiere um und lesen – nichts. Jedes Papier ist leer. Oder doch nicht? Hat sich die Frage irgendwie versteckt? Dann muss sie ja auch zu finden sein, oder?

White (re.) hat Stuhlprobleme. Black hilft ein bisschen (Foto: Eurovideo)

Die Suche beginnt. Und sie wird kein Spaziergang – soviel können wir schon verraten.

Filmkritik „Exam“

Laut Wikipedia hat Stuart Hazeldine bisher mehr Drehbücher für Produktionen geschrieben, die am Ende eingestampft wurden als welche, die tatsächlich umgesetzt wurden. Über deren Qualität können wir nur mutmaßen. Doch zumindest dieses hier ist große Klasse.

Der komplette Film spielt in einem einzigen Raum beinahe in Echtzeit. Keine Namen. Auch mit ellenlangen Vorgeschichten seiner Charaktere hält sich Hazeldine gar nicht erst auf. Er konzentriert sich auf die Suche nach der Frage und das Sozialverhalten im Zwangs-Team. Langsam aber stetig lässt er die Psychotemperatur im Raum steigen. Und zwar durchweg logisch, nachvollziehbar – und vor allem Dank seiner guten Darsteller glaubhaft vorgetragen.

Besonders beklemmend treibt es der eine, der sich sofort zum Anführer aufschwingt und seiner Egozentrik freien Lauf lässt. Ein echter Karrieretyp eben und damit eine zynische Parodie auf ziemlich viele erfolgreiche Zeitgenossen in Industrie, Finanz und Handel. Doch auch die anderen sind keine Unschuldslämmer, sonst hätten sie es ja nicht so weit geschafft.

Black, Dark und Brown (v.l.) im Grübelmodus (Foto: Eurovideo)

Damit taugt „Exam“ durchaus als Gleichnis für die Zustände, die sich in der Wirtschaft immer stärker verbreiten. Loyalität und die Ehre als Geschäftsmann sind nicht mehr allzu viel wert. Die Jacke ist näher als die Hose, und am Ende geht es immer um die Kohlen.

Und während andere, ebenso clever aufgebaute Filme gern mal belanglos im Sand verlaufen, wartet dieser hier mit einer pfiffigen Schlusspointe auf. Nein, die hätten wir so nie erwartet. Die ist originell, absolut zufriedenstellend – und verbreitet sogar etwas Herz-wärmenden Idealismus. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung in dieser sozial kalten Welt.

Die Versionen

Die FSK hat den Psychoreißer ab 16 Jahren freigegeben. Hm, wir haben schon mehr Gewalt gesehen. Aber am Ende geht das in Ordnung.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Ein Raum, eine Frage, acht Kandidaten und jede Menge Spannung.

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Exam"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
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