Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneDoctor Sleeps Erwachen

Ewan McGregor mimt Jack Nicholsons Sohn in der späten „Shining“-Fortsetzung.

Regisseur Mike Flanagan hat sich an das Unmögliche gewagt: Die Fortsetzung von „Shining“ zu drehen, einem der größten Horror-Klassiker überhaupt. Und das auch noch fast 40 Jahre später. Kann das gut gehen? Es kann!

Die Geschichte

Den Schriftzug kennen wir doch: Der erwachsene Danny (Ewan McGregor) wird noch immer von den Geistern der Vergangenheit verfolgt (Foto: Warner Bros. HE)

Den Schriftzug kennen wir doch: Der erwachsene Danny (Ewan McGregor) wird noch immer von den Geistern der Vergangenheit verfolgt (Foto: Warner Bros. HE)

Danny Torrance (Ewan McGregor) ist erwachsen geworden, leidet aber noch immer unter den Ereignissen aus seiner Kindheit. Vor vielen Jahrzehnten hat sein alkoholkranker Vater Jack versucht, ihn und seine Mutter umzubringen. Sie hatten den Winter in einem eingeschneiten verlassenen Hotel verbracht, in dem eine böse Macht hauste. Danny verfügt über eine übernatürliche Fähigkeit namens Shining.

Wie sein Vater ist auch er mittlerweile dem Alkohol verfallen. Nach einem weiteren Absturz beschließt er, den Wohnort zu wechseln und die anonymen Alkoholiker zu besuchen. Er tritt eine Stelle im örtlichen Hospiz als Pfleger an. Seine Fähigkeit macht den Sterbenden den Abschied vom Leben leichter, was Danny den Spitznamen Doctor Sleep einbringt.

Eines Tages lernt er das Mädchen Abra (Kyliegh Curran) kennen, die ebenfalls über das Shining verfügt. Sie wird von der mysteriösen Gruppe „Der Wahre Knoten“ verfolgt. Diese macht Jagd auf Kinder mit Shining, um unendliches Leben zu erlangen. Alles steuert auf eine unausweichliche Konfrontation zu. Dafür muss Danny sich auch den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

Filmkritik „Doctor Sleeps Erwachen“

Ziemlich böse – und mit Hut: Rebecca Ferguson als Rose (Foto: Warner Bros. HE)

Ziemlich böse – und mit Hut: Rebecca Ferguson als Rose (Foto: Warner Bros. HE)

Ein Hinweis zum Einstieg: Wer Stanley Kubricks Horror-Meilenstein „Shining“ nicht kennt, sollte das besser schleunigst nachholen, bevor er „Doctor Sleeps Erwachen“ schaut. Denn Regisseur Mike Flanagans Sequel, das ebenso wie Teil eins auf einer Vorlage von Stephen King basiert, baut inhaltlich, musikalisch und visuell stark auf Kubricks Werk auf. Ohne dessen Kenntnis macht „Doctor Sleep“ wahrscheinlich nicht so viel Spaß.

Es ist kein Geheimnis, dass King mit Kubricks Adaption seines Romans nie zufrieden war. Dennoch hat Flanagan, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, Kubricks Film als Ausgangspunkt für die Verfilmung der Romanfortsetzung genommen. Heißt: Ikonische Bilder, Figuren und Kulissen des 1980er Films tauchen auch in „Doctor Sleep“ auf – bis ins kleinste Detail rekonstruiert. Das funktioniert erstaunlich gut, auch wenn natürlich die Rollen mit neuen Schauspielern besetzt werden mussten.

Auch abseits dieser Verweise überzeugt „Doctor Sleep“. Die Story um das übernatürliche Shining-Phänomen wird logisch weitergesponnen. Die neu eingeführte Gruppe „Der Wahre Knoten“ sorgt für konstante Bedrohung und hält die Spannung hoch. Besonders Rebecca Ferguson als Zylinderhut-tragende Anführerin überzeugt. Ewan McGregor als in die Jahre gekommener und immer noch traumatisierter Danny Torrance leistet ebenfalls gute Arbeit. Flanagan setzt auf atmosphärischen Grusel und Charakterentwicklung anstelle von Tempo und billigen Schocks – gut so.

Rose hat einiges im Arm (Foto: Warner Bros. HE)

Rose hat einiges im Arm (Foto: Warner Bros. HE)

Handwerklich gibt es nichts zu meckern. Die Inszenierung ist tipptopp und man merkt an jeder Ecke, dass es sich bei „Doctor Sleep“ um einen hochklassig produzierten Hollywoodfilm handelt. Lediglich die Laufzeit fällt mit zweieinhalb Stunden etwas zu lang aus. Bis es zum grandiosen Showdown im Overlook-Hotel kommt, schleicht sich leider die eine oder andere Länge ein. Dabei haben wir noch nicht einmal den dreistündigen Director’s Cut geschaut. Unterm Strich erhält „Doctor Sleep“ von uns aber vier dicke Sterne mit klarer Tendenz zur Höchstwertung.

Die Versionen

„Doctor Sleep“ verzichtet nicht auf brutale Momente, übertreibt es dabei aber nicht. Die FSK-Freigabe ab 16 Jahren passt – auch wegen der bedrohlichen Atmosphäre. Auf Blu-ray und UHD gibt es den Film zusätzlich zur Kinoversion als dreistündigen Director’s Cut, der ebenfalls ab 16 freigegeben ist.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Erstklassig inszenierter Edelhorror mit packender Atmosphäre, guter Geschichte und (leider) epischer Laufzeit.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Doctor Sleeps Erwachen"

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Über den Autor Rick Deckard

Sein Pseudonym kommt aus seinem Lieblingsfilm „Blade Runner“ von Ridley Scott. Der ist auch schon seit seiner Jugendzeit sein unangefochtener Lieblingsregisseur, gefolgt von Namen wie David Lynch, Terry Gilliam oder den Coen-Brüdern.
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