Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneBabycall

Ein Film über eine moderne Heldin

Plattenbauten, graue Wände und Blut auf einer Kinderzeichnung – die perfekten Zutaten für spannende 96 Minuten. Heraus gekommen ist ein ausgeklügelter Thriller von Pål Sletaune. Der norwegische Regisseur nimmt uns mit in die wirre und anonyme Welt von Anna und ihrem Sohn Anders.

Die Geschichte

Anna (Noomi Rapace) – das neue Zuhause, ein anonymer Wohnblock (Foto: 4 1/2 / NFP marketing & distribution)

In einer großen Plattenbausiedlung wohnen Anna (Noomi Rapace) und Anders (Vetle Q. Werring). Die beiden versuchen hier einen Neuanfang und Schutz vor Anders‘ gewalttätigem Vater. Am Anfang gelingt das scheinbar auch. Doch das Verhältnis zwischen der zuständigen Jugendamtsbeamtin und Anna ist unentspannt. Annas Sorge um Anders wird immer stärker, sodass sie beschließt, ein Babyfon zu kaufen. Damit will sie auch Nachts mitbekommen, wie es ihrem Sohn im Nachbarzimmer geht.

Im Elektronikfachgeschäft kauft sie das begehrte Stück. Zuhause angekommen, probiert sie das Gerät aus. Seltsamerweise hört sie damit nicht nur die Gegenstelle, sondern auch schlecht identifizierbare Geräusche. Die entwickeln sich allmählich zu Wortfetzen und Schreien. Anna bekommt Angst, bringt das Babyfon zurück. Verkäufer Helge (Kristoffer Joner) gibt ihr den Rat, den Sendekanal umzustellen. Der Tipp scheint zu funktionieren. Doch irgendwo müssen die Geräusche ja herkommen. Anna macht sich auf, um der Sache nachzugehen.

Filmkritik zu „Babycall“

Beim Kauf des Babyphons lernt Anna Helge (Kristoffer Joner) kennen (Foto: 4 1/2 / NFP marketing & distribution)

Für diese Filmkritik stand uns die norwegische Originalfassung mit englischen Untertiteln zur Verfügung. Auf Musik oder Melodien hat Regisseur Sletaune genauso verzichtet, wie auf Farbenfreude. Die Kameraführung ist ruhig, die Dialoge sind auf das nötigste reduziert. Dank der starken Bildsprache gab es aber trotzdem keine Verständigungsprobleme.

Hauptdarstellerin Noomi Rapace, die aktuell auch im Film „Prometheus“ zu sehen ist, spielt ihre Rolle beeindruckend gut. So gut, dass wir als Zuschauer ganz bestimmt nicht mit ihr tauschen wollen. Die karge Umgebung, die ständigen Angstattacken und nicht zuletzt ihr mysteriöser Film-Sohn, sorgen für Unbehagen.

Die Bedrohung lauert in der Wohnung (Foto: 4 1/2 / NFP marketing & distribution)

Dazu kommt, dass Anders ein wenig an den Jungen aus dem Gruselklassiker „Das Omen“ erinnert. Gänsehautmomente kommen im Laufe des Films immer häufiger vor. Anna nimmt Ereignisse wahr die so nicht geschehen. Ein Beispiel dafür ist Blut auf der Zeichnung von Anders. Das gibt es nämlich gar nicht. Das weckt Zweifel in uns: Hat Anna vielleicht nicht alle Tassen im Schrank? All das macht „Babycall“ zu einem zwar sparsamen, aber trotzdem wahnsinnigen und wahnsinnig effektiven Gänsehaut-Thriller mit gelungener Schlusspointe.

Die Versionen

Aufgrund der angedeuteten Gewaltszenen und der mehrschichtigen Erzählweise, wurde „Babycall“ ab 16 Jahren freigegeben. Der Film ist aktuell im Kino zu sehen.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Gekonnt in Szene gesetzte Geschichte – verstörend, wie ein Tinnitus.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Babycall"

Über den Autor Ash Williams

Vor Jahren hat er sich noch vor Horrorfilmen gegruselt. Naja, vielleicht so ein bisschen. Jetzt schaut er sie jedenfalls mit ganz anderen Augen. Je länger er sich mit diesen Filmen auseinander setzte, desto mehr faszinierten sie ihn.
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