Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneAtrocious

Realityhorror aus Spanien

Doch doch, es muss verwackelt und dreckig aussehen. Dann wirkt es authentischer, auch wenn die Kameras über einen professionellen Bildstabilisator und High-Definition-Aufnahmetechnik verfügen. Der Schocker „Atrocious“ tritt optisch brav in die Fußstapfen von „Blair Witch Project“ und „REC“. Einzig die Geschichte dahinter ist eine andere. Und die kommt erst in der zweiten Hälfte des Films richtig in Fahrt.

Die Geschichte

Was versteckt sich im Keller? (Foto: Universum Film)

Was versteckt sich im Keller? (Foto: Universum Film)

Cristian, July und Jose fahren mit ihren Eltern in den Urlaub. Ziel der Familie Quintanilla ist ein Ferienhaus in der Nähe von Sitges. Begeistert sind die Geschwister nicht, denn dort gibt es nicht viel zu erleben. Nur der Irrgarten aus Hecken und Sträuchern, der sich vor den Toren des Landsitzes befindet, weckt das Interesse der Kids. Sie wollen einen Film drehen. Das Labyrinth ist dafür perfekt. Zumal ein Freund der Familie kurz vorher noch die Gruselgeschichte von dem kleinen Mädchen Melinda erzählt hat. Sie fiel in einen Brunnen. Ihre Leiche wurde nie gefunden, aber seitdem spukt es in der Gegend.

Da Jose noch zu klein ist und lieber mit dem Hund spielen soll, machen sich nur die beiden Älteren auf Entdeckungstour. Ihr Ziel ist der besagte Brunnen. Von dort zurückgekommen, ereignen sich seltsame Dinge im Haus. Zuerst ist da nur dieses seltsame Geräusch, dann zerschellt eine Flasche in der Küche wie von selbst. Das ist aber nur der Anfang. Nun fehlt jede Spur von Hund Rocky. Gegen den Willen ihrer Mutter, machen sich Cristian und July auf die Suche. Im Irrgarten werden sie fündig. Nun überschlagen sich die Ereignisse …

Filmkritik „Atrocious“

Cristian hat July mit blutiger Nase im Irrgarten gefunden. (Foto: Universum Film)

Cristian hat July mit blutiger Nase im Irrgarten gefunden. (Foto: Universum Film)

Die spanische Produktion „Atrocious“ gehört zum Subgenere Realityhorror. Diese Filme wirken oft polarisierend auf die Zuschauer. So auch hier. So nerven etwa die häufigen Schnitte. Doch im Laufe des Films fällt das nicht mehr so stark auf. Ebenso brauchen auch die verwackelten und teilweise stark verfremdeten Bilder ihre Gewöhnungsphase.

Erste Gänsehautmomente kommen früh und nehmen in angenehmen Abständen weiter zu. Das liegt keinesfalls am ausgetüftelten Storyboard. Auch die Geschichte ist im Allgemeinen eher dünn. Vielmehr liegt es daran, dass wir uns gut in die Handlung einbezogen fühlen.

Die beiden kleinen Hauptdarsteller spielen ihre Rollen souverän, obwohl die meisten Dialoge weniger gehaltvoll sind. Ausgerüstet mit zwei Kameras lässt Regisseur Fernando Barreda Luna lieber Bilder sprechen. Jeder unvorhersehbare Kameraschwenk, jede verschwommene Aufnahme und jeder Soundeffekt geben einen kleinen Spannungsschub.

Dass der Hauptfilm nur 75 Minuten kurz ist, stört dabei überhaupt nicht.

Schön mit anzusehen sind übrigens auch das knapp 10-minütige „Making of“ und ein „Behind the Szenes“ als Bonusfeature auf der DVD. Gezeigt werden unter anderem unbearbeitete Filmaufnahmen des Ferienhauses, die es so zeigen wie es in Wirklichkeit ist: unspektakulär und harmlos. Ein Hoch auf die Post-Production.

Die Versionen

„Atrocious“ ist als DVD und Blu-ray erhältlich und wurde von der FSK ab 16 Jahren freigegeben. Es liegen zwei Versionen vor. Die spanische Originalversion läuft ca. 7 Minuten länger, als die deutsche. Welche Szenen gekürzt wurden, ist uns nicht bekannt.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Was anfangs noch holprig und fremd aussieht, ergibt dann doch noch ein rundes Ende.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Atrocious"

Über den Autor Ash Williams

Vor Jahren hat er sich noch vor Horrorfilmen gegruselt. Naja, vielleicht so ein bisschen. Jetzt schaut er sie jedenfalls mit ganz anderen Augen. Je länger er sich mit diesen Filmen auseinander setzte, desto mehr faszinierten sie ihn.
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