Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneSummer of 84

Teenager versuchen, einen Serienmörder zu fangen. In den 80ern

Der Retrozug fährt ungebremst weiter: Dieses stimmige Teenager-Horrorabenteuer wartet mit jeder Menge 80er-Jahre-Charme auf und ist dazu noch ziemlich spannend.

Die Geschichte

Vier Freunde sollt ihr sein: Die Jungs stehen vor dem Abenteuer ihres Lebens (Foto: Pandastorm Pictures)

Vier Freunde sollt ihr sein: Die Jungs stehen vor dem Abenteuer ihres Lebens (Foto: Pandastorm Pictures)

Die vier Freunde Davey (Graham Verchere), Woody (Caleb Emery), Eats (Judah Lewis) und Curtis (Cory Gruter-Andrew) schlagen sich im Sommer 1984 die Zeit um die Ohren. Neben BMX-Fahren, Bowlen und Verstecken im Dunkeln gehören natürlich auch pubertierende Gespräche über Mädels zum Zeitvertreib.

Die Idylle in der Vorstadt wird jäh durchbrochen, als die Nachricht von einem Serienkiller die Runde macht. 13 Teenager sind bereits verschwunden und sollen ihm zum Opfer gefallen sein. Eines Abends macht Davey eine beunruhigende Beobachtung bei seinem Nachbarn, dem alleinstehenden Polizisten Wayne Mackey (Rich Sommer). Er gerät ins Visier der Teenager, die ihn als den Schlächter von Cape May überführen wollen. Wie Hobbydetektive verfolgen sie jeden seiner Schritte und begeben sich dabei unbewusst in tödliche Gefahr.

Filmkritik „Summer of 84“

Teuflischer Nachbar? Polizist Wayne Mackey im Gespräch mit Davey (Foto: Pandastorm Pictures)

Teuflischer Nachbar? Polizist Wayne Mackey im Gespräch mit Davey (Foto: Pandastorm Pictures)

Retro ist in. Erst recht, wenn’s um die 80er geht. Und das nicht erst seit dem Erfolg der Netflix-Serie „Stranger Things“, die inhaltlich und inszenatorisch mit allerlei popkulturellen Verweisen an das Jahrzehnt aufwartet. Bereits zuvor huldigte Regisseur J.J. Abrams mit „Super 8“ dem Kino der Dekade und besonders den Werken Steven Spielbergs. Der wiederum legte dieses Jahr mit „Ready Player One“ eine eigene Hommage an die 80er und deren Popkultur vor – seine eigenen Arbeiten eingeschlossen. Auch „Summer of 84“ des Regiekollektivs RKSS (François Simard, Anouk Whissell, Yoann-Karl Whissell) schwimmt auf dieser Welle.

Wer mit Stephen-King-Büchern und Spielberg-Filmen groß geworden ist und Streifen wie „Stand by Me“, „Die Goonies“, „Nightmare – Mörderische Träume“ oder die Joe-Dante-Kultfilme „Meine teuflischen Nachbarn“ und „Gremlins“ kennt, wird davon viel in „Summer of 84“ wiedererkennen. Im Gegensatz zu „Stranger Things“, wo einem wenig subtil nach dem Motto „Seht her, was wir alles kennen“ alle möglichen 80er-Jahre-Referenzen um die Ohren gehauen werden, geht „Summer of 84“ zum Glück deutlich zurückhaltender vor. Gerade deshalb schaffen es RKSS perfekt, den Geist der aufgezählten Werke einzufangen. Nicht zuletzt der stimmige Synthie-Soundtrack von Le Matos und die typische Vorstadt-Kulisse tragen viel zur passenden Atmosphäre bei.

Der Film braucht eine Weile, bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt. Die Regisseure nehmen sich viel Zeit für ihre Figuren, die zwar kein Klischee auslassen (einer ist dick, einer ein Nerd, und so weiter), aber trotzdem sympathisch rüberkommen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, ein paar weniger Tittenwitzchen hätten es aber schon sein können. Spannung und Horror bleiben allerdings erstmal auf der Strecke.

Kurzer Küchen-Klön: Die Jungs besprechen die Lage (Foto: Pandastorm Pictures)

Kurzer Küchen-Klön: Die Jungs besprechen die Lage (Foto: Pandastorm Pictures)

Das gehört zur Strategie der Filmemacher, die dann auch voll aufgeht: Als Zuschauer wiegen wir uns in Sicherheit und werden schön in das Vorstadt-Universum der Teenager eingelullt. Je weiter aber die Suche nach dem Serienkiller vorangeht, desto deutlicher wird, dass in dieser schicken Retrowelt eben nichts sicher ist. Mit weiterem Verlauf der Handlung gewinnen die klassischen Spannungs- und Horrormomente zunehmend die Oberhand. Was zunächst als harmloses Abenteuer beginnt, wird immer bedrohlicher. Vor allem das Finale ist dann derart nervenzerfetzend und knallhart, dass es uns den Boden unter den Füßen wegzieht.

Die Versionen

Der Film ist ungeschnitten ab 16 Jahren freigegeben. Die Filmemacher verzichten auf unnötige Brutalität, aufgrund der düsteren Stimmung und des Finales passt die Freigabe der FSK jedoch.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Gelungenes 80er-Retro-Horrorabenteuer, das mit Vorstadtflair, starker Atmosphäre und schockierendem Ende überzeugt.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Summer of 84"

Über den Autor Rick Deckard

Sein Pseudonym kommt aus seinem Lieblingsfilm „Blade Runner“ von Ridley Scott. Der ist auch schon seit seiner Jugendzeit sein unangefochtener Lieblingsregisseur, gefolgt von Namen wie David Lynch, Terry Gilliam oder den Coen-Brüdern.
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