Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneMandy

Nicolas Cage walzt sich auf einem Rachetrip durch eine bösartige Sekte

Ein brutaler Hippiekult legt sich mit Holzfäller Nicolas Cage an. Der begibt sich daraufhin auf einen höllischen Rachefeldzug in surrealen und psychedelischen Bildern. Klingt abgefahren? Ist es auch!

Die Geschichte

Ein Mann sieht rot (aus): Nicolas Cage sinnt auf Rache (Foto: Koch Media)

Ein Mann sieht rot (aus): Nicolas Cage sinnt auf Rache (Foto: Koch Media)

Der Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) und seine Freundin Mandy (Andrea Riseborough) leben abgeschieden im Wald. Durch Zufall wird Jeremiah Sand (Linus Roache), der Anführer eines sadistischen Hippiekults namens „Children of the New Dawn“, auf Mandy aufmerksam.

Seine Anhänger entführen das Pärchen und ermorden Mandy schließlich brutal – Miller muss hilflos zusehen. Wieder in Freiheit hat der nur noch eins im Sinn: Gnadenlose Rache. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, von selbstgeschmiedeter Hellebarde bis Kettensäge. Zudem kommt er mit einer teuflischen Droge in Berührung.

Filmkritik „Mandy“

Es lässt sich nur schwer beschreiben, was uns Regisseur Panos Cosmatos („Beyond The Black Rainbow“) da mit „Mandy“ vorgesetzt hat. Übrigens: Der Regisseur ist der Sohn von George P. Cosmatos, der Reißer wie „Rambo 2“ oder „Die City-Cobra“, aber auch den Western „Tombstone“ inszeniert hat.

Heilsbringer? Linus Roache als Sektenführer Jeremiah umgeben von seinen Jüngern (Foto: Koch Media)

Heilsbringer? Linus Roache als Sektenführer Jeremiah umgeben von seinen Jüngern (Foto: Koch Media)

Der Film lässt sich in keine Schublade stecken. Im Kern handelt es sich um eine recht simple Rachegeschichte mit Horrorelementen. Doch „Mandy“ ist viel mehr als das. Vor allem visuell brennt Cosmatos ein wahres Feuerwerk ab. Von Anfang an beschwört er eine düstere und nihilistische Stimmung. Die unheilvollen Bilder sind verfremdet, mit Farbfiltern und visuellen Effekten versehen. Dadurch wirken sie von der Realität entrückt. Und das bereits bevor die eigentliche Handlung überhaupt beginnt. Von dort gibt es dann auch nur noch eine Richtung: bergab.

„Mandy“ ist ein wilder Ritt auf den man sich einlassen muss. Der Film spaltet und macht es seinem Publikum nicht leicht. Während die einen ihm bereits jetzt Kultstatus bescheinigen, wenden sich andere kopfschüttelnd ab. Auch die Brutalität dürfte nicht jedem zusagen. Ob mit riesiger Hellebarde oder gigantischer Kettensäge, Cage macht keine Gefangenen.

Das Werk ist vollgestopft mit grotesken Figuren, mit Biker-Mutanten in Lederkluft, einem Drogenkoch mit Tiger als Haustier und durchgedrehten Sektenmitgliedern. Auch Cage reiht sich mit seiner gewaltigen (und gewohnt extravaganten) Leistung nahtlos in diesen Reigen ein. Dennoch: Selten haben wir den Schauspieler besser gesehen. Auch Linus Roache als Sektenführer Jeremiah legt einen großartigen Auftritt hin.

Hellraiser auf Rädern: Die Bikergang erinnert an eine gewisse Horrorreihe (Foto: Koch Media)

Hellraiser auf Rädern: Die Bikergang erinnert an eine gewisse Horrorreihe (Foto: Koch Media)

Dazu kommt düstere und dröhnende Filmmusik, die perfekt auf die Bilder passt. Es ist das letzte Werk des isländischen Ausnahmekünstlers Jóhann Jóhannsson, der dieses Jahr bedauerlicherweise viel zu früh verstorben ist.

Leider verliert sich Cosmatos irgendwann in seinem audiovisuellen Rausch, und dem Film geht die Puste aus. Richtige Spannung mag auch nicht immer aufkommen. Etwas mehr Tempo und eine Viertelstunde weniger Laufzeit, und „Mandy“ hätte sich die Höchstwertung geholt.

Die Versionen

„Mandy“ ist düster, brutal und stellenweise sehr blutig. Die FSK-Freigabe ab 18 Jahren ist da absolut passend. Aber ungekürzt.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Mutig, abgefahren, konsequent, polarisierend – und ein Stück zu lang: Bildgewaltiger Horrortrip mit großartigem Cage.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Mandy"

Über den Autor Rick Deckard

Sein Pseudonym kommt aus seinem Lieblingsfilm „Blade Runner“ von Ridley Scott. Der ist auch schon seit seiner Jugendzeit sein unangefochtener Lieblingsregisseur, gefolgt von Namen wie David Lynch, Terry Gilliam oder den Coen-Brüdern.
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