Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneThe Wailing – Die Besessenen

Horrordrama vom Feinsten aus Südkorea

Bisweilen lohnt sich ein Blick über den Tellerrand hinaus: Dieser Horrorstreifen stellt zwar unsere Sehgewohnheiten sowohl als Westeuropäer als auch als Horrorfans auf den Kopf, bietet auf der anderen Seite aber eine brillant umgesetzte düstere Horrormär, die ihresgleichen sucht.

Die Geschichte

Schon wieder ein Mord: Die Polizisten trauen ihren Augen kaum (Foto: Pierrot Le Fou)

Schon wieder ein Mord: Die Polizisten trauen ihren Augen kaum (Foto: Pierrot Le Fou)

Der Polizist Jong-goo wird zu einem brutalen Mord gerufen. Zunächst erscheint alles sonnenklar – der mutmaßliche Täter sitzt bereits transportfertig verpackt vor dem Haus, der Fall könnte bald zu den Akten gelegt werden.

Allerdings treten in diesem kleinen Dorf plötzlich auffallend ähnlich grausame Morde auf. So langsam wird klar, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht und dass der eigentliche Verursacher nicht wirklich menschlichen Ursprungs ist. Die Jagd nach einem bösen Geist beginnt. Die Sache spitzt sich zu, als auch die kleine Tochter von Jong-goo besessen wird und beginnt, auf die eigene Familie loszugehen.

Filmkritik „The Wailing – Die Besessenen“

Zunächst sollte klar sein, dass dieser Film aus einem völlig anderen Kulturkreis stammt. Während die meisten westlich orientierten Streifen eher auf Grundlagen des christlichen Mystizismus funktionieren, muss man bei „The Wailing“ gewaltig umdenken. Das erfordert folglich ein wenig geistige Flexibilität.

Auch Jong-goos Tochter hat es erwischt (Foto: Pierrot Le Fou)

Auch Jong-goos Tochter hat es erwischt (Foto: Pierrot Le Fou)

Die lohnt sich aber. Die erste halbe Stunde des mehr als zweieinhalbstündigen Streifens zieht sich noch recht träge dahin. Diese lange Exposition hat aber durchaus ihren Sinn, denn so bekommen wir Einblick in das kulturelle Umfeld, in dem die Geschichte angesiedelt ist. Dieser vergleichsweise langweilige Part wird immerhin durch die durchgängig grandiose Kameraarbeit zum Augenschmaus.

Nach und nach verdichtet sich die Atmosphäre. Die böse Macht wirkt zunehmend omnipräsent. Wie die Geschichte weitergeht, lässt sich nur selten vorhersagen. Die Szenen wirken beunruhigend, wobei gleichzeitig auf grelle Effekte verzichtet wird. Die Macher verkneifen sich die sonst so beliebten Kastenteufel-Effekte (auch „Jump Scares“ genannt), auch Actionszenen sind eher die Ausnahme. Blut ist in rauen Mengen zu bestaunen, explizite Gewaltszenen gibt es aber nur wenige. Es ist einzig und allein die düstere Szenerie, die die subtile Spannung langsam aber kontinuierlich aufbaut und uns bis zum Schluss fesselt.

Manchmal wirken die Darsteller etwas hölzern, auch das sogenannte Overacting (also die übertriebene Darstellung von Emotionen), für das das asiatische Kino berüchtigt ist, müssen wir hinnehmen. Das ist allerdings in Anbetracht dieses wirklich gelungenen Schockers hinnehmbar.

Die Versionen

Satte 156 Minuten (auf DVD 150 Minuten) dauert der Film, der auch hierzulande ungekürzt erscheint. Die FSK hat den Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchgewunken. Das geht aufgrund der eher zurückhaltenden Gewaltdarstellungen völlig in Ordnung.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Hochgradig spannender und fesselnder Horrorfilm, der sich wohltuend vom üblichen Einheitsbrei abhebt.

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "The Wailing – Die Besessenen"

Über den Autor Angus Sc.

Seine Affinität zu Horrorfilmen hatte er bereits in früher Jugend entdeckt. Daraus resultiert seine Vorliebe für Horrorklassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern.
Mehr von Angus Sc.  

Weitere Filmkritiken im Genre Horrorthriller

Mehr zeigen