Filmkritik Bewertung: 1/5 SterneRubber

Böser Reifen, platzende Gegner, blöder Film. Ein Beitrag vom Fantasy Filmfest 2010.

Weggeworfener Reifen entwickelt Eigenleben und rollt durch die wüste Gegend der südlichen USA. Nur gibt es immer wieder doofe Menschen, die den armen, alten Gummi mies behandeln. Ihr Fehler.

Die Geschichte

Robert – den Namen haben wir aus dem Abspann erfahren – liegt weggeworfen im Sand einer unwirtlichen Gegend. Plötzlich rafft er sich auf und beginn eine Rolltour durchs Land. Dabei entdeckt er etwas Sonderbares: Er kann Kraft seiner Gedanken Dinge platzen lassen – Hasen, Vögel, Büchsen, Köpfe. Heißa, das macht Spaß.

Robert Reifen hat einen langen, öden Film vor sich (Foto: Capelight Pictures)

Robert Reifen hat einen langen, öden Film vor sich (Foto: Capelight Pictures)

Der Reifen erreicht ein Motel, spannt bei einer hübschen Frau, wie sie duscht, und bezieht ein Nachbarzimmer.

Währenddessen steht und sitzt eine Handvoll Menschen in der Wüste und beobachtet mit Ferngläsern die Szenerie. Sie sind Beobachter, vielleicht auch eine Art Symbole für Kinozuschauer. Und mit ihnen passiert etwas Ungeheuerliches.

Mit uns aber auch: Wir sehnen uns nämlich nach dem Ende dieses kruden Machwerks.

Filmkritik „Rubber“

Es ist wieder einer dieser typischen Filme. Da ist am Anfang eine geniale Idee, und trotzdem ist alles am Ende nur Käse. Dasselbe passierte bereits der missglückten Zombie-Komödie „Wasting away“.

Polizist Chad lässt Wasser (Foto: Capelight Pictures)

Polizist Chad lässt Wasser (Foto: Capelight Pictures)

Die Idee, einen Reifen zum Killer werden zu lassen, ist schlichtweg genial. Und technisch haben wir auch nichts zu meckern. Kamera und Spezialeffekte sind tiptop, die Schauspieler fallen nicht weiter unangenehm auf.

Aber was soll der Rest? Ein Reifen, der Kraft seiner Gedanken Menschen tötet, trägt zehn Minuten. Aber dann war es das erst einmal mit der Überraschung, und wir wollen eine Handlung sehen. Die läuft aber ungefähr so rund wie ein plattgefahrener Autoreifen. Die Idee vom Film im Film mit Fernglas-glotzenden Zuschauern in der Wüste ist ebenfalls zu Beginn sehr lustig, verläuft dann aber nur nervig öde im Sand jener selbigen.

Der französische Regisseur Quentin Dupieux macht sich einen Spaß daraus, mit herkömmlichen Sehgewohnheiten zu spielen. Er lässt seine Darsteller die Handlung kommentieren, sie sogar aus dem Film ausbrechen, nur damit sie sich später wieder einfügen und so tun, als sei alles real. Das ist nicht weiter verwerflich, und originell ist es auf jeden Fall. Und es versprüht dauerhaft durchaus den Eindruck des Surrealen. Funktionieren tut es trotzdem nicht.

Die Zuschauer wissen nicht, auf was für einen Käse sie sich eingelassen haben (Foto: Capelight Pictures)

Die Zuschauer wissen nicht, auf was für einen Käse sie sich eingelassen haben (Foto: Capelight Pictures)

Zudem beweist Dupieux keinerlei Sinn für Timing. Manche Szenen dauern quälend lang. Leider war die „Rubber“-Vorstellung beim Fantasy-Filmfest in Hamburg damals ausverkauft, weshalb wir den Film erst jetzt auf DVD besprechen können. Aber wir sind uns sicher: Der eine oder andere hat an den gezerrten Stellen gebuht. Mag sein, dass mancher jetzt das Totschlagargument bemüht, das sei doch Kunst. Soso.

Das Interview, das als Extra auf die DVD gepackt ist, zeigt, was Dupieux von seinem Publikum hält: Es läuft rückwärts mit gespiegelten Untertiteln, so dass es kein Mensch verstehen kann. Besser kann er seine Geringschätzung nicht ausdrücken.

Das passt übrigens zu Dupieux’ anderer Karriere als Musiker Mr. Oizo. Schon 1999 nervte er mit dem unerträglich eintönigen Hit „Flat Beat“. Merkwürdig, wie solche Typen immer wieder aus Scheiße Gold machen.

Die Versionen

Die FSK hat „Rubber“ ab 16 Jahren freigegeben. Okay, solche hübsch platzenden Köpfe hätte es in den seligen Achtzigern nicht gegeben. Mit heutigen Maßstäben gemessen, ist das aber okay.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Der Reifen ist platt. Gute Idee, nervend öder Film.

Bewertung: 1/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Rubber"

Über den Autor Martin Riggs

Sein Pseudonym hat er von Martin Riggs aus "Lethal Weapon" entliehen, einer seiner liebsten Filmfiguren. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich gern dem Thema Kino, unter anderem allem, was ihm eine Gänsehaut oder ein Lachen beschert.
Mehr von Martin Riggs  

Weitere Filmkritiken im Genre Fantasy/SciFi

Mehr zeigen