Filmkritik Bewertung: 2/5 SterneNight of the Virgin

Eine männliche Jungfrau erlebt ihr blaues Wunder - und wir auch.

„American Pie“ mal anders: Ein unbeholfener Spanier will endlich seine Jungfräulichkeit verlieren. Dafür sucht er sich jedoch die denkbar schlechteste Kandidatin aus. Das Vorhaben wird ganz schön unappetitlich.

Die Geschichte

Schmerzverzerrt: Für Nico wird es langsam ungemütlich (Foto: Pierrot Le Fou)

Schmerzverzerrt: Für Nico wird es langsam ungemütlich (Foto: Pierrot Le Fou)

Langsam ist es an der Zeit: Nico (Javier Bódalo), schon lange kein Teenager mehr, will in der Silvesternacht endlich zum ersten Mal mit einer Frau schlafen. Auf einer Party stoßen seine Avancen bei den Damen auf wenig Gegenliebe.

Nur die deutlich ältere Medea (Miriam Martin) scheint sich für ihn zu interessieren. Dass ihre Wohnung ziemlich dreckig ist und Kakerlaken umherlaufen, stört Nico nur am Rande. Auch dass seine Auserwählte ihr Menstruationsblut in einem Kelch im Badezimmer aufbewahrt oder dass ihr eifersüchtiger Ex vor der Tür steht, kann den entschlossenen Spanier erstaunlicherweise nicht von seinem Vorhaben abhalten. Am Ende des Abends sollten das noch seine kleinsten Probleme sein…

Filmkritik „Night of the Virgin“

Nicht nett: Medea ist mehr so der vulgäre Typ (Foto: Pierrot Le Fou)

Nicht nett: Medea ist mehr so der vulgäre Typ (Foto: Pierrot Le Fou)

Regisseur Roberto San Sebastián setzt in „Night of the Virgin“ vor allem auf zwei Dinge: Exzess und Ekel. Da wird im Strahl gekotzt, Sperma verspritzt und literweise Blut über den Bildschirm gekübelt. Tricktechnisch ist das alles ziemlich ordentlich, die meist handgemachten Effekte überzeugen.

Das Dumme ist nur: Der Streifen vermittelt permanent ein ekliges Gefühl, vom Verhalten der Figuren bis zu der düsteren, schmuddeligen und irgendwie klebrig wirkenden Wohnung der Hauptdarstellerin. Doch auch wer mit alledem keine Probleme hat, dürfte von dem Werk dennoch enttäuscht sein. Denn der Regisseur setzt auch bei der Laufzeit auf Exzess: Fast zwei Stunden dauert der Film. Das ist einfach viel zu viel des Guten, zumal es keinen wirklichen Spannungsbogen oder roten Faden gibt. Die Handlung schleppt sich einfach nur von einem Ekel-Moment zum nächsten – gruselig ist das nicht, und es könnte locker über ’ne halbe Stunde kürzer laufen, ohne dass Wichtiges fehlen würde.

Licht im Dunkel: Auch mit Kerze ist Nico nicht der Hellste (Foto: Pierrot Le Fou)

Licht im Dunkel: Auch mit Kerze ist Nico nicht der Hellste (Foto: Pierrot Le Fou)

Generell wird nicht so richtig klar, was der Streifen eigentlich sein will. Was mit dem Hauptdarsteller im Laufe des Films passiert, ist derart absurd und überzeichnet, dass „Night of the Virgin“ am Ende nur noch als Karikatur durchgeht. San Sebastián wollte scheinbar auf Teufel komm raus möglichst viele Tabus brechen und hat dabei alles aus dem Blick verloren, was einen guten Film ausmacht. Mit ganz viel Wohlwollen reicht das noch für zwei Sterne.

Die Versionen

„Night of the Virgin“ ist ziemlich eklig und splattert ordentlich. Gleichzeitig ist der Film aber mächtig überzeichnet und nimmt sich nicht wirklich ernst. Das hat wohl auch die FSK erkannt und ihn ungeschnitten ab 18 Jahren durchgewunken.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Schwarzhumorige und derbe Splatter-Groteske, die neben Körperflüssigkeiten vor allem mit quälend langer Laufzeit aufwartet.

Bewertung: 2/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Night of the Virgin"

Über den Autor Rick Deckard

Sein Pseudonym kommt aus seinem Lieblingsfilm „Blade Runner“ von Ridley Scott. Der ist auch schon seit seiner Jugendzeit sein unangefochtener Lieblingsregisseur, gefolgt von Namen wie David Lynch, Terry Gilliam oder den Coen-Brüdern.


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