Filmkritik Bewertung: 4/5 SterneMother!

Verstörende Tour de Force vom Paradies hinab in die Hölle

Der gefeierte Regisseur Darren Aronofsky („The Wrestler“, „Black Swan“) schickt Jennifer Lawrence auf einen intensiven Psychotrip. Er lässt uns mit ihr leiden; er spaltet, schindet und schändet uns. Wer sich darauf einlässt und die andere Wange hinhält, wird durchaus belohnt.

Die Geschichte

Nicht jeder kann an diesem Abend amüsieren (Foto: Paramount Pictures)

Nicht jeder kann an diesem Abend amüsieren (Foto: Paramount Pictures)

Ein namenloses Paar lebt in einem abgeschieden gelegenen Landhaus. Er (Javier Bardem) ist Dichter und leidet an einer Schreibblockade, sie (Jennifer Lawrence) gestaltet und restauriert liebevoll das gemeinsame Heim. Plötzlich steht ein Fremder (Ed Harris) vor der Tür, tags darauf dessen Frau (Michelle Pfeiffer).

Der Dichter lädt die beiden trotz der Bedenken seiner jungen Frau ein, länger zu bleiben. Tatsächlich zeigen sich die Gäste aufdringlich und rücksichtslos. Als auch noch ihre beiden Söhne auftauchen, kommt es zu einem blutigen Streit. Doch diese Invasion ist nur der erste Dreh einer ungeahnt albtraumhaften Eskalationsspirale.

Filmkritik „Mother!“

Was verbirgt sich hier? (Foto: Paramount Pictures)

Was verbirgt sich hier? (Foto: Paramount Pictures)

Mit den gegensätzlichen Reaktionen bei seiner Premiere in Venedig Anfang September zeichnete sich ab, dass Darren Aronofskys „Mother!“ polarisieren wird. Wenn die einen ihm eine emanzipatorische, gar feministische Haltung bescheinigen, die anderen ihm aber Frauenfeindlichkeit vorwerfen, dann hat man es vielleicht sogar mit dem kontroversesten Film der jüngeren Zeit zu tun.

Dabei fällt es schwer, „Mother!“ einem Genre zuzuordnen. Hier geben sich Elemente aus Horror-, Psycho- und Mysterythriller die Klinke in die Hand. Nicht leichter machen es die vielen Spielräume zur Interpretation. Der Film strotzt nur so vor religiösen Metaphern wie für die Schöpfung, das Paradies oder den Sündenfall. Gleichzeitig funktioniert er als Parabel auf den miserablen Zustand der Welt allgemein. Beide Deutungen passen dann auch zum wilden und brachialen Finale. Es wirkt wie das Inferno aus einem Gemälde von Hieronymus Bosch.

Bis dahin hat Aronofsky den Zuschauer schon längst zum Verbündeten der titelgebenden Protagonistin gemacht. Die Kamera folgt ihr auf Schritt und Tritt, fast die gesamte Spielzeit über ist sie Mittelpunkt des Bildes. Alles geschieht aus ihrer Perspektive, und was sie nicht sieht, bleibt auch dem Zuschauer verborgen. Diese Nähe erzeugt Verbundenheit, die angesichts der übrigen, durchweg abweisenden oder unsympathischen Figuren auch nicht weiter schwerfällt. Hier bietet der Film kaum reizvolle Ambivalenzen, wodurch er etwas eindimensional wirkt.

Umso gewaltiger gelingt Aronofsky dafür die Bildsprache. Neben den erwartungsgemäß toll aufspielenden Akteuren – vor allem Michelle Pfeiffer lässt das Blut in den Adern gefrieren – sticht „Mother!“ auch inszenatorisch hervor. Das Landhaus als alleiniger Schauplatz ist bis ins kleinste Detail ausgestaltet, und das grobkörnige, farblich fast völlig entsättigte 16-Millimeter-Format verstärkt den zeitlosen Charakter von Film und Figuren. Hier erfüllt der Regisseur vollauf die Erwartungen, die man auch getrost an ihn haben kann.

„Mother!“ ist eine faszinierende Erfahrung – unangenehm aber filmtechnisch erstklassig und absolut lohnend.

Die Versionen

Der Film läuft ungeschnitten mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Das ist nachvollziehbar. Auch die fiebrig-surreale Gewaltorgie gegen Ende hat trotz aller Drastik lediglich Symbolcharakter.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Symbolisch aufgeladener Psychothriller, der am Ende wahrlich die Hölle ausbrechen lässt.

Bewertung: 4/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Mother!"

Über den Autor Bobby Peru


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