Filmkritik Bewertung: 5/5 SterneFrankenstein – Das Experiment

Frankensteins Monster kehrt zurück. Und wie!

Wieder einmal Frankenstein. Unzählige Male musste Mary Shelleys Roman, in dem ein Schweizer einen künstlichen Menschen erschafft, als Vorlage für einen Horrorfilm herhalten. Die Ergebnisse waren bislang häufig selbst bei wohlwollender Betrachtung bestenfalls mittelmäßig. Was erwartet uns diesmal? Ein weiterer fader Aufguss eines ausgelutschten Sujets? Weit gefehlt.

Die Geschichte

"Haste mal 'n Euro?" - Adam hat einen echt miesen Tag (Foto: Eurovideo)

„Haste mal ’n Euro?“ – Adam hat einen echt miesen Tag (Foto: Eurovideo)

Zur Frankenstein-Story muss man eigentlich nicht viel sagen – immerhin ist sie mindestens genauso bekannt wie die Bundeskanzlerin. Auch hier wird erneut das legendäre Monster erschaffen – diesmal nicht von einem einzelnen übermotivierten Wissenschaftler, sondern von einem Ehepaar namens Frankenstein.

Das Monster, das nicht durch Blitze, sondern durch Hochtechnologie ins Leben gerufen wird, mutiert am lebendigem Leibe und soll daher gleich eingeschläfert werden. Das geht schrecklich schief. Es entflieht, versucht sich zunächst in der lebensfeindlichen Umgebung zu behaupten und schwört schließlich Rache an seinen Schöpfern, die ihm so viel Leid zumuten.

Filmkritik „Frankenstein – Das Experiment“

Dieser Film leidet an einem grundsätzlichen Problem: Hartgesottene Horrorfans erwarten einen knallharten Schocker, bekommen allerdings ein Drama vorgesetzt. Das hatte bereits einige ziemlich üble Verrisse im Netz zur Folge, denen wir uns allerdings nicht anschließen können.

Adam sieht seine eigene Gesichtsvorlage (Foto: Eurovideo)

Adam sieht seine eigene Gesichtsvorlage (Foto: Eurovideo)

Der uralte Stoff ist in diesem Streifen grundlegend modernisiert. Das Monster selbst wird nicht mehr aus Leichenteilen zusammengeschraubt, sondern kommt aus einer Art 3D-Drucker. Das betrachten wir als kleinen Schwachpunkt, denn wirklich überzeugt hat uns das nicht. Da dies allerdings nur am Rande eine Rolle spielt, beschränken wir uns auf ein paar kleine Abzüge in der B-Note.

Frankensteins Monster (grandios gespielt von Xavier Samuel) kommt hier als ausgesprochen tragische Figur daher. Es ist ein eigentlich gutartiges Wesen, das aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen im Hause Frankenstein, seiner mangelnden Sozialisation und seiner unkontrollierten Kräfte erheblichen Schaden anrichtet.

Marie Frankenstein, dargestellt von Carry-Anne Moss (die Trinity aus „Matrix“), tritt hier als eine Art wissenschaftliche Rabenmutter auf, die das völlig desorientierte Geschöpf emotional im luftleeren Raum zappeln lässt.

Einen Freund findet Adam (so der Name des „Monsters“) in einem blinden Obdachlosen, der naturgemäß an seiner äußeren Erscheinung keinen Anstoß nimmt. Wie bei einem Drama üblich ist diese Freundschaft aber nur von begrenzter Dauer. Wie alles andere im Leben des Monsters, das wir bereits nach kurzer Zeit nicht mehr als solches empfinden, endet auch diese Episode in einem Fiasko.

Wer ist hier das Monster? Adam oder die Menschen, die ihm das hier antun? (Foto: Eurovideo)

Wer ist hier das Monster? Adam oder die Menschen, die ihm das hier antun? (Foto: Eurovideo)

Ergänzt wird die Handlung durch Off-Texte aus der Ich-Perspektive von Adam, die direkt der literarischen Vorlage entnommen sind. Die etwas altertümliche Sprache des Romans beißt sich nicht mit dieser High-Tech-Variante des Themas. Beides harmoniert hervorragend miteinander – nicht zuletzt, weil durch diese Hintergrund-Texte in erster Linie Adams Gefühlslage beschrieben wird, und Gefühle sind bekanntlich zeitlos.

Alles in allem haben wir uns rund anderthalb Stunden lang von einem Drama fesseln lassen, das richtig unter die Haut geht. Einzig unter der Prämisse „Horrorfilm“ sollte sich niemand diesen Streifen zu Gemüte führen – dann wäre eine Enttäuschung programmiert, die dieser Film nicht verdient hat.

Die Versionen

Einige Szenen sind exorbitant brutal, daher ist die FSK-Freigabe ab 18 Jahren mehr als gerechtfertigt. Dankenswerterweise wurde darauf verzichtet, an dem Film herumzuschnippeln, sodass er uns vollständig mit 89 Minuten Laufzeit erhalten bleibt.

Das Urteil von Horrormagazin.de

Der Horrorklassiker als Drama, das unter die Haut geht. Trotz kleiner Schwächen hervorragend inszeniert, beeindruckend gespielt und fesselnd bis zum Schluss.

Bewertung: 5/5 Sterne

Der offizielle Trailer zum Film "Frankenstein – Das Experiment"

Über den Autor Angus Sc.

Seine Affinität zu Horrorfilmen hatte er bereits in früher Jugend entdeckt. Daraus resultiert seine Vorliebe für Horrorklassiker aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern.


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